WerkMartin Luther

Der Große Katechismus

Pfarrern, die sich zu fein sind, die Grundlagen des Glaubens zu lehren, hält Luther entgegen, dass er sie als Doktor der Theologie noch jeden Morgen aufsagt.

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Überblick

Viele Pfarrer, klagt Luther in der längeren Vorrede dieses Buches, verachten den Katechismus: manche, weil sie zu gelehrt dafür sind, andere aus schlichter Faulheit, und haben sie ihn einmal gelesen, werfen sie ihn in die Ecke. Manche Adlige sagen, man brauche überhaupt keine Pfarrer mehr, es stehe ja alles in Büchern. Luther hält ihnen sich selbst entgegen. Er sei ein Doktor und Prediger, so gelehrt wie jeder von ihnen, schreibt er, und doch spreche er jeden Morgen Wort für Wort wie ein Kind das Vaterunser, die Zehn Gebote und das Glaubensbekenntnis, und er wolle ein Schüler des Katechismus bleiben. Das Buch ist aus der Predigt erwachsen. 1528 übernahm Luther die Katechismusunterweisung in der Wittenberger Stadtkirche und hielt drei Reihen von je etwa zehn Predigten, im Mai, im September und im Dezember. In jenem Winter nahm er an der Visitation der Gemeinden in Kursachsen teil und sah, wie wenig einfache Christen und ihre Pfarrer wussten. Im März 1529 schloss er das Buch ab, Mitte April wurde es unter dem Titel „Deutsch Catechismus“ gedruckt. Es geht die fünf Hauptstücke durch, die jeder Christ kennen muss – die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Taufe und das Abendmahl –, in Predigtlänge, damit Pfarrer danach predigen und Hausväter danach lehren können. Beim ersten Gebot hält Luther inne und fragt, was ein Gott sei. Einen Gott haben, sagt er, heißt, sich von ganzem Herzen auf etwas verlassen und alles Gute von ihm erwarten; worauf ein Herz sich verlässt, das ist in Wahrheit sein Gott. Für viele Menschen ist dieser Gott das Geld. Eine zweite Ausgabe, noch 1529, fügte eine kurze Vermahnung zur Beichte hinzu. 1580 wurde das Buch in das Konkordienbuch aufgenommen, die Sammlung der lutherischen Bekenntnisschriften.

Schlüsselbegriffe

Was ist ein „Gott“ nach dem Großen Katechismus?

Ein Gott ist, wovon ein Mensch alles Gute erwartet und wohin er in aller Not seine Zuflucht nimmt. Einen Gott haben heißt, von ganzem Herzen auf etwas trauen und glauben, also zählt, worauf sich das Vertrauen tatsächlich stützt, nicht, was man bekennt. Luthers Alltagsbeispiel ist der Mensch, der sich sicher fühlt, weil er Geld und Gut hat: Dieses Geld ist sein Gott geworden.

Warum zählt Luther Übervorteilen und Pfuschen als Diebstahl?

Weil Stehlen für ihn heißt, eines anderen Gut mit Unrecht an sich zu bringen, auf welchem Weg auch immer. Das reicht auf Markt, Kramläden, Keller und Werkstätten: Ein Knecht, der das Gut des Hauses verkommen lässt, und Handwerker oder Tagelöhner, die übervorteilen und lässig arbeiten, sind Diebe, die nicht so heißen wollen. Die größten Räuber, fügt Luther an, schützen die Mächtigen, während die kleinen hängen.

Was verbietet das achte Gebot außer der Lüge vor Gericht?

Jeden Gebrauch der Zunge, der dem Nächsten schadet. Falsch Zeugnis ist nach Luther ein Werk des Mundes, also fallen Verleumdung, Nachrede und das Herumtragen fremder Fehler darunter. Selbst ein wahrer Fehler ist kein Gemeingut: Man soll ihn heimlich strafen, wie Christus es lehrt, und nur vor die bringen, die ihn zu bessern befugt sind, nie ins allgemeine Gerede.

Was macht die Taufe zu mehr als bloßem Wasser?

Gottes Wort, das mit dem Wasser verbunden ist. Luther besteht darauf, dass die Taufe nicht schlichtes Wasser ist, sondern Wasser, in Gottes Gebot und Namen gefasst, und dass erst das Wort ihm seine Kraft gibt. Trennt man das Wort davon, ist es kein anderes Wasser als jedes andere. Mit dem Wort ist es, wie er sagt, ein göttliches Wasser.

Warum ist Beten eine Pflicht und nicht bloß ein Gefühl?

Weil Gott es gebietet, im zweiten Gebot, so wie er gebietet, die Eltern zu ehren. Luther will, dass man aufhört zu fragen, ob man sich würdig oder andächtig genug fühlt. Ein Gebet, das geschieht, weil Gott zu beten befohlen hat, gilt bei ihm, wie gering auch der Betende sei, eines, das auf die rechte Stimmung wartet, wird womöglich nie gesprochen.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Woran das Herz sich hängt

Was betet ein Mensch tatsächlich an, gleich was er bekennt? Der Große Katechismus liest die Zehn Gebote als Landkarte dafür, worauf Menschen vertrauen und wie sie mit dem Nächsten umgehen.

Luther fragt, was ein Gott ist, und antwortet mit dem Vertrauen: Woran ein Herz sich hängt und worauf es sich verlässt, das ist eigentlich sein Gott. Für viele ist das Geld, der allgemeinste Abgott auf Erden. Ebenso handfest liest er die übrigen Gebote. Diebstahl reicht in Markt, Kramläden und Werkstätten, und während kleine Diebe hängen, stehlen große Erzdiebe im Bund mit Fürsten ganz Deutschland aus. Falsch Zeugnis umfasst jede Zungensünde, also bringt man den wirklichen Fehler eines Nächsten unter vier Augen vor, statt ihn herumzutragen.

  • Glauben
  • Vertrauen
  • Göttliches Gebot
  • Vorsehung
  • Göttliche Vorsehung
  • Eigentumsverhältnis
  • Religion
  • Gerechtigkeit
  • Sprechethik
  • Religiöse Ethik
  • Gebote
  • Autorität

Ein Schüler des Katechismus

Lernt man die Grundlagen des Glaubens je aus? Luther schreibt für Pfarrer, die meinen, sie könnten sie, und für Hausgemeinschaften, die nie damit begonnen haben.

Ein Doktor und Prediger, so gelehrt wie irgendeiner, spricht Luther nach eigenen Worten jeden Morgen die Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser wie ein Kind und will ein Schüler bleiben. Pfarrer, die den Katechismus einmal lesen und in die Ecke werfen, hält er für faul und hochmütig. Die zweite Hälfte behandelt das Gebet als Gebot statt als Stimmung, trennt das Fühlen einer Anfechtung vom Einwilligen und legt die Kraft von Taufe und Beichte in Gottes Wort, nicht ins Wasser und nicht in die Mühe des Beichtenden.

  • Religiöse Bildung
  • Gebet
  • Schrift
  • religiöse Praxis
  • Versuchung
  • Taufe
  • Sakramente
  • Vergebung
  • Eucharistie
  • Gnade
  • Sünde
  • Kirche

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Passagen vorhanden
278
eigenständige Begriffe
324
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 268

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Glauben“ und „Sakramente“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 22 Paarungen. 88 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
GlaubenSakramente13
GlaubenTaufe13
GebetGlauben12
SakramenteTaufe12
SakramenteVergebung8
Religiöse BildungSchrift7
GlaubenVergebung6
GebetGehorsam4
GebetSchrift3
GebetVergebung3
GehorsamGlauben3
GlaubenReligiöse Bildung3
GlaubenSchrift3
SakramenteSchrift3
Religiöse BildungSakramente2
SchriftTaufe2
GebetSakramente1
GehorsamReligiöse Bildung1
GehorsamSakramente1
GehorsamSchrift1
Religiöse BildungTaufe1
TaufeVergebung1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1517 Die 95 Thesen (Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum)

    Hier begann der Streit: mit einer akademischen Übung in lateinischer Sprache, auf die binnen Monaten die deutsche Predigt folgte, die ihre Argumente zu den Laien trug.

    LA
  2. 1518 Ein Sermon von Ablaß und Gnade

    Derselbe Ablassstreit wie in Die 95 Thesen, wenige Monate später aus dem lateinischen Hörsaal geholt und den Laien auf Deutsch vorgelegt.

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  3. 1520 An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung

    Die erste der drei Schriften von 1520, die den Bruch mit Rom öffentlich machten; im Oktober folgte Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, im November Von der Freiheit eines Christenmenschen.

    DE
  4. 1520 Von den guten Werken

    Im Frühjahr 1520 erschienen, kurz vor den drei Programmschriften jenes Jahres, legt es in schlichtem Deutsch die Lehre von Glauben und Werken dar, die jene voraussetzen.

    DE
  5. 1520 Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium)

    Von Luthers drei Schriften des Jahres 1520 die einzige, die lateinisch für die Gelehrten geschrieben ist: Der Aufruf an den Adel davor erschien auf Deutsch, Von der Freiheit eines Christenmenschen danach in beiden Sprachen.

    DE
  6. 1520 Von der Freiheit eines Christenmenschen

    Als Friedensangebot an den Papst gedacht, wendet sich die dritte von Luthers Schriften des Jahres 1520 von den Einrichtungen der Kirche ab und dem Leben des einzelnen Glaubenden zu.

    DE
  7. 1522 Eine treue Vermahnung zu allen Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empörung

    Im Versteck geschrieben, zwischen dem Reichstag zu Worms und Luthers Rückkehr nach Wittenberg, im selben Winter, in dem er begann, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen.

    DE
  8. 1522 Vorrede auf die Epistel S. Paul an die Römer

    Ein Begleiter zu Von der Freiheit eines Christenmenschen: dieselbe Lehre von Glauben und Werken, diesmal als Zugang zu dem biblischen Buch, aus dem sie stammt.

    DE
  9. 1523 Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei

    Eine Fortsetzung, die ihre Vorgängerin berichtigt: Drei Jahre nachdem er die Fürsten gebeten hatte, die Kirche zu reformieren, zieht Luther die Grenze, an der ihre Macht über Christen endet.

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  10. 1529 Der Große Katechismus du bist hier DE
  11. 1529 Kleiner Katechismus

    Es erschien einen Monat nach dem größeren Buch, Der Große Katechismus, und gibt dem Haus die Worte zum Auswendiglernen, die jenes dem Prediger erklärt.

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  12. 1530 Ein Sendbrief vom Dolmetschen

    Acht Jahre nach dem Septembertestament und vier vor der vollständigen deutschen Bibel erklärt Luther, wie die Übersetzung entstand und warum er sie nicht zurücknehmen wollte.

    DE
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