WerkMartin Luther

Ein Sermon von Ablaß und Gnade

Zwanzig nummerierte Punkte sagen dem Käufer eines Ablasses, dass Gott umsonst vergibt und dass die Armen das Geld dringender brauchen.

von Martin Luther9 Passagen vorhanden

  • Deutsch, die Originalsprache, und deine Sprache
Erstveröffentlichung
(mit 35 Jahren)
Originalsprache
Deutsch

Rechtsverletzung melden

Überblick

Diese kurze deutsche Flugschrift erschien in der zweiten Märzhälfte 1518, und binnen drei Jahren kamen mindestens vierundzwanzig Ausgaben aus Druckerpressen in Deutschland und der Schweiz. Martin Luther schrieb sie fünf Monate nach seinen lateinischen Ablassthesen, für Menschen, die kein Latein lasen. Ihre zwanzig nummerierten Punkte führen ein einziges Argument. Ein Ablass – ein von der Kirche gewährter und oft bezahlter Nachlass der Strafen, die man für die Sünde schuldet – tilgt nur die Bußen, die die Kirche selbst auferlegt, etwa Gebet, Fasten und Almosen. Gegen die Strafe, die Gott schickt, richtet er nichts aus, und diese soll der Sünder als Weg zu wirklicher Reue annehmen. Gottes Vergebung kostet überhaupt nichts. Luther fügt hinzu, dass die Einteilung der Buße in Reue, Beichte und Genugtuung, wie Petrus Lombardus und Thomas von Aquin sie lehrten, in der Schrift kaum Grund habe. Er rät seinen Lesern, eher einem armen Nachbarn zu geben als für den Neubau von St. Peter in Rom, überlässt den Ablass den faulen und schläfrigen Christen und sagt, er wisse nicht, ob er überhaupt jemanden aus dem Fegefeuer befreie. Seine Gegner waren bereits am Werk. Im Januar 1518 hatte Johann Tetzel, der Dominikaner und Ablassprediger, dessen Kampagne die Thesen ausgelöst hatte, an der Universität Frankfurt an der Oder 106 Gegenthesen verteidigt. Im April antwortete Tetzel auch auf die Predigt, mit einer deutschen Gegenschrift, die Melchior Lotter in Leipzig druckte und die ihre zwanzig Artikel als Irrtümer bezeichnete.

Schlüsselbegriffe

Was ist Genugtuung, und warum ist sie für den Ablass wichtig?

Genugtuung ist der Teil der Buße, in dem der Sünder durch Werke Wiedergutmachung leistet, die die Kirche festsetzt: Gebet, Fasten, Almosen. Die scholastischen Lehrer teilten die Buße in Reue, Beichte und Genugtuung, und alle waren sich einig, dass ein Ablass nur das Dritte erlässt. Auf dieser Einigkeit baut Luther die Predigt. Hebt ein Ablass nur jene Werke auf, tut er nichts für die Reue, die Gott eigentlich verlangt.

Worin unterscheidet sich die Strafe der Kirche von Gottes Strafe?

Die Strafe der Kirche ist ein Werk, das sie auferlegt, etwa sieben Jahre Buße für eine Todsünde. Gottes Strafe ist Leid, das er schickt, wie die Rute in dem Psalm, den Luther zitiert: Sie züchtigt seine Kinder, ohne ihnen seine Barmherzigkeit zu entziehen. Die erste kann ein Ablass erlassen. Die zweite soll zur Reue treiben, darum sei sie anzunehmen, nicht zu fliehen.

Warum ist ein Ablass „zugelassen“, aber kein gutes Werk?

Luther teilt christliche Übungen in das, was Gott gebietet, was er rät, und was bloß erlaubt ist. Der Ablass ist nur erlaubt. Er ist darum kein Werk des Gehorsams und nicht verdienstlich, sondern ein Auszug aus dem Gehorsam. Ein getanes gutes Werk sei besser als viele erlassene Strafen, und deshalb stellt die Predigt die Hilfe für Arme vor den Kauf eines Ablasses.

Was meint die Predigt mit echter Reue?

Echte Reue ist die Abkehr von der Sünde aus dem Herzen, verbunden mit dem Vorsatz, besser zu leben. Keine Schrift, sagt Luther, zeige, dass Gott eine andere Zahlung verlange, und Gott vergebe umsonst, aus Gnade, und wolle nichts als dieses neue Leben. Gemeint ist eine innere Umkehr, kein Gefühl, das man einem Beichtvater vorführt, und kein Werk, das man zählt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Was kein Ablass kaufen kann

Wenn ein bezahlter Ablass nur aufhebt, was die Kirche selbst verlangt hat, was bleibt dann übrig, das kein Geld erreicht? Laien mussten es wissen, bevor sie etwas ausgaben.

Luther nimmt das scholastische Schema der Buße, wie seine Gegner es lehrten, und zeigt, dass ein Ablass nur dessen dritten Teil aufhebt, die Genugtuung: die Gebete, das Fasten und die Almosen, die die Kirche auferlegt. Die Schrift kenne keinen Preis, den Gott verlangt, außer echter Reue und einem gebesserten Leben, und das Leid, das Gott schickt, soll den Sünder zur Reue treiben, nicht abgekauft werden. Darum ordnet die Predigt klar: zuerst der bedürftige Nächste, dann Sankt Peter, den Ablass mögen faule Christen lösen.

  • Ablass
  • Buße
  • Umkehr
  • gute Werke
  • Nächstenliebe
  • religiöses Spenden
  • Armut
  • Vergebung
  • Göttliche Gnade
  • göttliche Strafe
  • Fegefeuer
  • scholastische Theologie

In diesem Werk

Passagen vorhanden
9
eigenständige Begriffe
27
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 821

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1517 Die 95 Thesen (Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum)

    Hier begann der Streit: mit einer akademischen Übung in lateinischer Sprache, auf die binnen Monaten die deutsche Predigt folgte, die ihre Argumente zu den Laien trug.

    LA
  2. 1518 Ein Sermon von Ablaß und Gnade du bist hier DE
  3. 1520 An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung

    Die erste der drei Schriften von 1520, die den Bruch mit Rom öffentlich machten; im Oktober folgte Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, im November Von der Freiheit eines Christenmenschen.

    DE
  4. 1520 Von den guten Werken

    Im Frühjahr 1520 erschienen, kurz vor den drei Programmschriften jenes Jahres, legt es in schlichtem Deutsch die Lehre von Glauben und Werken dar, die jene voraussetzen.

    DE
  5. 1520 Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium)

    Von Luthers drei Schriften des Jahres 1520 die einzige, die lateinisch für die Gelehrten geschrieben ist: Der Aufruf an den Adel davor erschien auf Deutsch, Von der Freiheit eines Christenmenschen danach in beiden Sprachen.

    DE
  6. 1520 Von der Freiheit eines Christenmenschen

    Als Friedensangebot an den Papst gedacht, wendet sich die dritte von Luthers Schriften des Jahres 1520 von den Einrichtungen der Kirche ab und dem Leben des einzelnen Glaubenden zu.

    DE
  7. 1522 Eine treue Vermahnung zu allen Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empörung

    Im Versteck geschrieben, zwischen dem Reichstag zu Worms und Luthers Rückkehr nach Wittenberg, im selben Winter, in dem er begann, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen.

    DE
  8. 1522 Vorrede auf die Epistel S. Paul an die Römer

    Ein Begleiter zu Von der Freiheit eines Christenmenschen: dieselbe Lehre von Glauben und Werken, diesmal als Zugang zu dem biblischen Buch, aus dem sie stammt.

    DE
  9. 1523 Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei

    Eine Fortsetzung, die ihre Vorgängerin berichtigt: Drei Jahre nachdem er die Fürsten gebeten hatte, die Kirche zu reformieren, zieht Luther die Grenze, an der ihre Macht über Christen endet.

    DE
  10. 1529 Der Große Katechismus

    Predigten, die zum Buch wurden: die Katechismuspredigten, die Luther 1528 in Wittenberg hielt, umgearbeitet zum ausführlicheren seiner beiden Katechismen.

    DE
  11. 1529 Kleiner Katechismus

    Es erschien einen Monat nach dem größeren Buch, Der Große Katechismus, und gibt dem Haus die Worte zum Auswendiglernen, die jenes dem Prediger erklärt.

    DE
  12. 1530 Ein Sendbrief vom Dolmetschen

    Acht Jahre nach dem Septembertestament und vier vor der vollständigen deutschen Bibel erklärt Luther, wie die Übersetzung entstand und warum er sie nicht zurücknehmen wollte.

    DE
Anmelden oder abonnieren, um dieses Werk zu besprechen

— oder öffne ein anderes Werk aus dieser Feder