Kant lesen, Kant berichtigen
Wie nimmt ein System Gestalt an, ehe es ein System ist — in privaten Notizen, an den Rändern eben der Philosophen, die es vollenden oder zerstören will?
Dies sind Arbeitsnotizen aus dem Nachlass, nie ein für Leser geformtes Buch, und sie fangen Schopenhauer ein, wie er auf dem Papier über die Geister nachdenkt, die für seinen eigenen am meisten zählten: Locke, geschätzt für die Unterscheidung primärer und sekundärer Qualitäten; Kant, in gleichem Maße verehrt und berichtigt; und die nachkantischen Idealisten Fichte, Schelling und Hegel, die er lebenslang als Betrüger angriff. Die Auseinandersetzung ist dieselbe, die alles Veröffentlichte durchzieht — sein System als die wahre Vollendung Kants —, doch im Rohen eingefangen. Die Werkstatt, nicht die fertige Fassade, und die falsche Tür für einen Neuling.
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Ins Gespräch kommen
- Ein Leser öffnet diese Notizen in der Hoffnung, dein System zu treffen, und findet rohe Marginalien vor — was sollte er zuerst lesen, um dich zu verstehen?
- Du verehrst Kant und berichtigst ihn im selben Atemzug — an welchem Punkt wird das Vollenden einer Philosophie zu ihrem stillen Ersetzen?
- Was hast du von Kant behalten und was verworfen, als du dein System als seine wahre Vollendung bautest?
- Fichte, Schelling und Hegel ein Leben lang als Betrüger anzugreifen — was kostete dieser lebenslange Streit deine eigene Wirkung?
- Jemand schätzt Lockes Trennung primärer und sekundärer Qualitäten — warum war dir diese Unterscheidung wertvoll, und wo gingst du über sie hinaus?