Selbst denken
Macht weite Lektüre einen Geist, oder ist sie ein Übergriff auf ihn — die Gedanken eines anderen, die durch Boden trampeln, der der eigene hätte sein sollen?
Für sich selbst zu denken, argumentiert Schopenhauer, ist mehr wert als jede Menge Lektüre, die im schlimmsten Fall bloß einen fremden Geist durch den eigenen marschieren lässt. Ein guter Stil sagt klar, was zu sagen sich lohnt, und verbirgt nichts hinter der Terminologie — ein Maßstab, den er gegen Lohnschreiber führt, die für Geld schreiben, gegen Gelehrte, die lesen, bis sie nicht mehr denken können, und gegen Professoren, die in Hegels Nebel Schutz suchen. Der Rat ist keine Theorie, sondern die Methode des schärfsten Prosastilisten unter den Philosophen, der genau wusste, was ihn die Unbekanntheit gekostet hatte.
- Intellekt
- Reflexion
- Wahrheit
- Urteil
- Einsamkeit
- Erfahrung
- Charakter
- Gedächtnis
- Genie
Ins Gespräch kommen
- Ein Mensch liest unablässig und fühlt doch sein eigenes Denken erschlaffen — sagst du ihm, das Lesen sei durch seinen Geist getrampelt?
- Du stellst das Selbstdenken über das Lesen — doch ohne die Bücher anderer, wo sollte ein einsamer Geist überhaupt beginnen?
- Sag mir den Unterschied zwischen dem Gelehrten, der liest, bis er nicht mehr denken kann, und dem Geist, der für sich selbst denkt?
- Um einen guten Stil zu schreiben, der nichts hinter der Terminologie verbirgt, welche Zuflucht muss ein Gelehrter aufgeben, wenn die Klarheit leeres Denken entblößt?
- Jemand will gelehrt klingen und greift nach großer Terminologie — was sagtest du über die Klarheit und darüber, was die Dunkelheit wirklich verbirgt?