Das Mitleid als Grundlage der Ethik
Woher kommt das Sittliche in einer Handlung — aus der Vernunft, aus einem göttlichen Gebot, aus berechnetem Eigennutz oder aus einem Ort, den keines von diesen erreicht?
Gegen Kants Pflichtethik, die Schopenhauer für eine verkleidete Theologie hielt, nennt die Preisschrift nur eine Quelle: das Mitleid, die unmittelbare Teilnahme am Leiden eines anderen, die mir sein Wohl und Wehe wichtig macht, als wären es meine eigenen. Nicht Vernunft, nicht Gebot, nicht Vorteil — allein das Mitgefühl verleiht sittlichen Wert. Die Dänische Sozietät, genau dies gefragt, verweigerte die Medaille, obwohl keine rivalisierende Schrift eingereicht war; die Begründung, die sie ausschlug, zählt heute zu den meistdiskutierten, die je für eine Ethik des Mitgefühls über dem Gesetz geboten wurden.
- Ethik
- Menschennatur
- Leiden
- Charakter
- Religion
- Theologie
- Vernunft
- Mitgefühl
- Egoismus
Ins Gespräch kommen
- Jemand hilft einem Fremden unter wirklichem eigenen Aufwand und kann nicht sagen, warum — erklärt das Mitleid, nicht Vernunft oder Pflicht, diese Tat?
- Du machst das Mitleid zur einzigen sittlichen Triebfeder — doch Retter handeln oft aus Grundsatz oder Glauben; warum sprichst du diesen jeden sittlichen Wert ab?
- Was hebt den sittlichen Wert, den du im Mitgefühl findest, von Kants Pflicht ab, die du eine verkleidete Theologie nanntest?
- Wenn allein das Mitleid sittlichen Wert verleiht, was nimmt das den Taten, die aus begründetem Grundsatz oder Hoffnung auf Lohn geschehen?
- Ein Mensch fühlt das Leiden eines anderen so scharf wie das eigene — ist diese Regung die ganze Grundlage der Ethik oder nur ihr Funke?