Die Frau als Werkzeug des Willens
Welches Urteil über ein ganzes Geschlecht folgt, sobald es als Vorrichtung der Natur zur Fortpflanzung hingestellt und ihm nichts zugestanden wird, das darüber hinausreicht?
Auf einer Handvoll verächtlicher Seiten befindet Schopenhauer, die Frauen seien zur Fortpflanzung der Art da und reichten nicht weiter — sie blieben ihr Leben lang kindlich und stünden den Männern an Gerechtigkeit nach wie an der interesselosen Betrachtung, die wahre Kunst oder wahres Denken hervorbringt. Er hängt die Behauptungen an seine Metaphysik und stellt die Frau als Werkzeug des blinden Fortpflanzungsdrangs des Willens zum Leben hin. Selbst seine Verteidiger räumen ein, der Aufsatz begründe wenig und beleidige viel, und er habe Feineres gerade deshalb überlebt, weil er sich so gut gegen ihn zitieren lässt.
- Spezies
- Reproduktion
- Gerechtigkeit
- Vernunft
- Geschlechterphilosophie
- Ehe
- Moralpsychologie
- Ästhetik
- Kunst
Ins Gespräch kommen
- Eine Frau erfährt aus diesem Aufsatz, sie sei nur zur Fortpflanzung der Art da — kannst du ein so totales Urteil über ein ganzes Geschlecht verteidigen?
- Du stellst die Frau als Werkzeug des Willens zum Leben hin und gestehst ihr nichts weiter zu — selbst deine Verteidiger sagen, das begründe wenig; was trägt es?
- Was in deiner Metaphysik stützt tatsächlich den Vorwurf, Frauen stünden in der interesselosen Betrachtung nach, statt Vorurteil als Philosophie zu verkleiden?
- Um das Wesen eines ganzen Geschlechts an den Fortpflanzungsdrang des Willens zu hängen, was musst du an den Frauen übersehen, die sichtlich weiter reichten?
- Gelehrte fragen, ob diese Seiten gefestigte Überzeugung ausdrücken oder die Verbitterung deiner eigenen Fehden — was, sagst du, trieb sie?