Gespenster, durch den Willen erklärt
Sind Erscheinungen und das zweite Gesicht Betrug, besuchende Geister oder etwas, das der wahrnehmende Geist selbst herstellt, ohne dass ein äußerer Körper ihm entspricht?
Schopenhauer schlägt sich weder auf die Seite der Spiritisten noch wischt er die Berichte beiseite. Er räumt ein, dass Menschen wirklich Erscheinungen sehen und Ereignisse vorausschauen, und verortet die Ursache nicht außerhalb ihrer, sondern in ihnen — ein „Traumorgan“, mit dem der Wille ohne die Sinne wahrnehmen kann, sodass ein Gespenst eine wirkliche Wahrnehmung ist, hinter der nichts Äußeres steht. Es fügt sich genau in sein System: Ist der Wille und nicht die physische Welt die letzte Wirklichkeit, so ist es kein Wunder, wenn ein Geist einen anderen über die Ferne oder den Tod hinweg erreicht. Das Ergebnis gilt als eine der frühesten Philosophien des Übersinnlichen.
- Wahrnehmung
- Wille
- Traumgeschehen
- Somnambulismus
- Hellsehen
- Bewusstsein
- Halluzination
- Physiologie
- Metaphysik
- Prophezeiung
- Vision
Ins Gespräch kommen
- Ein Mensch ist sicher, jemanden gesehen zu haben, der nicht dort sein konnte — kann dein Traumorgan eine wirkliche Wahrnehmung erklären, hinter der nichts Äußeres steht?
- Du erklärst Erscheinungen als den Willen, der ohne die Sinne wahrnimmt — doch worin unterscheidet sich das davon, sie schlicht Halluzinationen zu nennen?
- Zwischen dem besuchenden Geist des Spiritisten und dem Betrugsvorwurf des Skeptikers — wo verortet dein Traumorgan das zweite Gesicht?
- Um ein Gespenst als wirkliche Wahrnehmung ohne Körper dahinter anzunehmen, welches gewöhnliche Vertrauen in die Sinne muss ein Mensch aufgeben?
- Wenn jemand ein Ereignis vorausschaut und es eintrifft, reicht der Wille über die Ferne, oder ist es nur Zufall im Gewand der Prophezeiung?