Vernunft als Einklang der Triebe
Was macht ein Leben vernünftig, wenn kein Gesetz von oben kommt? Vernunft, antwortet Santayana, ist nichts anderes als die Triebe eines Geschöpfs, so geordnet, dass sie sich gemeinsam befriedigen lassen.
Vernunft ist hier kein Vermögen, das über die Leidenschaften gesetzt ist, sondern die Arbeit der Leidenschaften selbst, von denen jede lernt, den anderen Raum zu lassen. Ideale wachsen aus der Natur und haben keine andere Heimat; ein Ideal ist, was ein Trieb wäre, wenn er ganz befriedigt würde. Damit stellt sich das Werk gegen jede Philosophie, die die Rechtfertigung der Moral in einer Welt jenseits dieser sucht. Familie, Staat, Kirche und Künste werden dann an einem Maßstab gemessen: wie gut jede einem Leben dient, in dem viele Güter zugleich zu haben sind.
- Vernunft
- Rationalität
- Menschennatur
- Menschliches Gedeihen
- Glück
- Moralpsychologie
- Ethik
- Naturalismus
- Ideale
- Emotion
- Natur
Ins Gespräch kommen
- Das vernünftige Tier ist Trieb, der sich mit Ideen vermählt hat: Trieb allein macht einen Rohling, Ideen allein einen Wahnsinnigen. Welches Scheitern ist häufiger?
- Sie messen Familien, Staaten und Kirchen daran, wie viele Güter sie den Menschen zugleich lassen. Ist das nicht eine Krämerrechnung, als Moral ausgegeben?
- Wird die Unordnung unerträglich, verdammen Menschen gerade die Leidenschaften, die Ordnung stiften könnten, und halten ihre Verwirrung für Verderbtheit. Warum ist dieser Irrtum so verführerisch?
- Jemand müht sich um Ruhm. Das Genie, schreiben Sie, sei sein eigener Lohn und der Ruhm nur ein törichtes Bild seines Werts. Worin besteht dieser Lohn?
- Das Leben der Vernunft sammelt jede Freude, die nicht der Same eines größeren Leids ist. Woran erkennt man, welche der eigenen Freuden auf Kosten der Zukunft gehen?