WerkGeorge Santayana

The Sense of Beauty: Being the Outlines of Aesthetic Theory

(dt. etwa: Der Sinn für Schönheit: Grundriss einer ästhetischen Theorie)

Schönheit als Lust, die wir empfinden, als gehöre sie dem Ding selbst – geschrieben von einem jungen Harvard-Dozenten, der ein Buch brauchte.

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(mit 33 Jahren)
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Englisch

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Überblick

Mitte der 1890er-Jahre war Santayana in Harvard, wo er seit 1889 unterrichtete, noch immer einfacher Dozent, und wer befördert werden wollte, brauchte ein Buch. Er formte es aus den Vorlesungen über Ästhetik, die er seit 1892 hielt, und Scribner's brachte es 1896 heraus. Die Beförderung folgte 1898, wenn auch nicht ohne Mühe: Harvards Präsident Charles Eliot zweifelte an einem Mann, den er für verschlossen hielt, und William James, Josiah Royce und der Psychologe Hugo Münsterberg setzten sich für ihn ein. Die These des Buches lautet: Schönheit ist Lust, die als Eigenschaft des Gegenstands erlebt wird. Das Vergnügen gehört dem Betrachter, doch es fühlt sich an, als läge es im betrachteten Ding. Damit rückt die Schönheit in die Psychologie hinein, statt über ihr zu schweben. Die ältere Auffassung, im Schönen offenbare sich etwas Göttliches oder Ewiges, lässt das Buch beiseite; es behandelt Schönheit als eine Tatsache über lebende Wesen und das, was ihre Aufmerksamkeit fesselt. So kann fast alles bis zu einem gewissen Grad schön sein – nur ist dieser Grad höchst verschieden. Das Buch überdauerte die Umstände, denen es sich verdankte, und wurde nach einer Zählung das meistgelesene seiner philosophischen Werke. Es zog auch einen bleibenden Einwand auf sich: Der deutsche Philosoph Ernst Cassirer nannte seine Position ästhetischen Hedonismus und wies die Vorstellung zurück, große Künstler hätten gearbeitet, um zu unterhalten. Am härtesten urteilte Santayana selbst. Der Philosoph und Kritiker Arthur Danto berichtete, der alte Mann habe es bei ihrer Begegnung 1950 eine Brotarbeit genannt: geschrieben, weil ihm auf Umwegen zu Ohren gekommen sei, er solle besser ein Buch veröffentlichen, und zwar über Kunst.

Schlüsselbegriffe

Was bedeuten „positiv“, „intrinsisch“ und „objektiviert“ in der Definition der Schönheit?

Sie sind die Eingrenzungen, die zu Santayanas Formel führen: Schönheit ist positiver, intrinsischer und objektivierter Wert. Als Wert ist Schönheit ein Gefühl, nicht die Wahrnehmung einer Tatsache; eine Schönheit, die niemand genießen könnte, ist ein Widerspruch. Positiv: Sie ist das Empfinden von etwas gegenwärtigem Gutem, nicht Erleichterung von einem Übel. Intrinsisch: Sie wird um ihrer selbst willen genossen, nicht als Mittel. Objektiviert: Die Lust wird als Eigenschaft des Dinges empfunden.

Warum fühlt sich Schönheit an, als gehöre sie dem Gegenstand?

Weil sie das Überbleibsel einer alten Denkgewohnheit ist. Früher machten Menschen jede Wirkung, die ein Ding auf sie hatte, zu einem Teil seines vorgestellten Wesens. Die Wissenschaft abstrahierte diese Wirkungen weg; die ästhetische Vorstellung ist weniger abstrakt und behält die Lust der Wahrnehmung als Teil des Gegenstands. Schönheit, argumentiert Santayana, ist der eine Ort, an dem diese Objektivierung des Gefühls, anderswo ausgestorben, noch überlebt.

Was sind die drei Quellen der Schönheit im Buch: Stoff, Form und Ausdruck?

Stoff ist die Schönheit der Empfindungen selbst, einer Farbe, eines Tons, des blauen Himmels; Form ist die Lust, Dinge geordnet wahrzunehmen; Ausdruck ist Schönheit, geborgt von dem, woran ein Gegenstand erinnert. Sie können auseinanderfallen: Eine Rede kann durch ihren Aufbau entzücken, obwohl ihre Klänge hart sind. Vollkommenheit würde schöne Elemente in schönen Formen verbinden, und wo das misslingt, opfern verschiedene Naturen das eine oder das andere.

Woher kommt die Ausdruckskraft eines Gegenstands, wenn nicht aus ihm selbst?

Aus dem Kreis von Gedanken, den er in einem bestimmten Bewusstsein weckt. Wäre Ausdruck eine äußere Beziehung zwischen einem Gegenstand und einem anderen, argumentiert Santayana, würde alles alles gleichermaßen ausdrücken, und die Blume in der Mauerritze sagte dasselbe wie die Büste Caesars. Seine eigenen Worte, bemerkt er, drücken nur die Gedanken aus, die sie in einem Leser tatsächlich wecken, und mögen dem einen mehr sagen als dem anderen.

Warum ordnet das Buch die Dinge der Einbildungskraft dem „Spiel“ zu?

Weil Spiel eine Tätigkeit bezeichnet, deren Wert in ihr selbst liegt, und Santayana meint es als Lob. In seinem Sprachgebrauch ist Arbeit das abwertende Wort und Spiel das lobende. Das Nützliche ist nur um seiner Folgen willen gut, und diese müssen irgendwo in sich gut sein, sonst ist aller Nutzen Illusion. Die Einbildungskraft Spiel zu nennen, stellt sie unter die Quellen allen Werts, nicht unter müßige Zeitvertreibe.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Schönheit als Lust, die im Ding empfunden wird

Wo wohnt die Schönheit, im Gegenstand oder im Betrachter? Im Betrachter, antwortet Santayana, obwohl die Lust empfunden wird, als gehöre sie dem gesehenen Ding.

Schönheit ist nach dieser Darstellung objektivierte Lust: ein Vergnügen, das uns gehört, aber als Eigenschaft des Gegenstands erlebt wird. Damit gehört sie in die Psychologie, statt über ihr zu schweben – eine Tatsache über lebende Wesen und das, was ihre Aufmerksamkeit fesselt, kein Blick auf etwas Göttliches oder Ewiges. Dann kann fast alles in gewissem Grad schön sein, doch die Dinge unterscheiden sich gewaltig darin, wie sehr. Ernst Cassirer verwarf das Ergebnis als ästhetischen Hedonismus und bezweifelte, dass große Künstler gearbeitet hätten, um Lust zu bereiten; Santayana selbst nannte das Buch später eine Brotarbeit.

  • Schönheit
  • Ästhetik
  • ästhetischer Genuss
  • ästhetischer Wert
  • ästhetische Erfahrung
  • ästhetisches Urteil
  • Psychologie
  • Wert
  • Geschmack
  • Menschennatur
  • Nutzen
  • Glück

Form: die Lust, Dinge geordnet zu sehen

Warum gefällt eine Anordnung von Linien, Klängen oder Teilen und eine andere nicht? Santayana sucht die Antwort in der Arbeitsweise der Wahrnehmung, nicht im Gegenstand allein.

Zwischen der rohen Lust an Farbe oder Klang und den Assoziationen, die ein Ding mit sich führt, liegt die Schönheit der Form, und hier ist das Argument am psychologischsten. Auge und Bewusstsein haben Freude daran, das Wahrgenommene zu vereinheitlichen; Symmetrie, Proportion und Typus gefallen daher, weil sie die Wahrnehmung leicht und vollständig machen. Zu viel Gleichförmigkeit langweilt, zu wenig Ordnung verwirrt. Schönheit der Form ist so die Lust einer tätigen Einbildungskraft, und selbst die Formen der Natur sind schön in dem Maß, in dem ein Wahrnehmender sie erfassen kann.

  • Form
  • ästhetische Form
  • Wahrnehmung
  • ästhetische Wahrnehmung
  • Einbildungskraft
  • Natur
  • Verkörperung

Ausdruck: warum Tragödie und Erhabenes gefallen

Wenn Schönheit Lust ist, wie kann man sich an einer Tragödie freuen oder an einer erhabenen Szene, die einen zu überwältigen droht? Die Antwort hängt davon ab, was ein Gegenstand ausdrückt, nicht was er darbietet.

Ausdruck ist Schönheit, die von der Assoziation geborgt ist: Ein Gegenstand gefällt wegen dessen, woran er erinnert, und der Wert des Angedeuteten fließt in das gesehene Ding. So kann Santayana Freuden erklären, die seiner Theorie zu widersprechen scheinen. In der Tragödie wird schmerzlicher Stoff auf Abstand gehalten und geformt, sodass der Schmerz Anlass einer größeren Schönheit wird; im Erhabenen verwandelt sich das Gefühl der eigenen Kleinheit in eine Befreiung von uns selbst. Auch die Komödie gefällt durch das Spiel, das sie dem Bewusstsein mit dem erlaubt, was es sonst verdrießen würde.

  • Ausdruck
  • Assoziation
  • Emotion
  • Tragödie
  • Komödie
  • das Erhabene
  • Dichtung
  • Kunst

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eigenständige Begriffe
439
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 291

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Schönheit“ und „Ästhetik“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 24 Paarungen. 85 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
SchönheitÄsthetik13
WahrnehmungÄsthetik13
FormÄsthetik12
EinbildungskraftÄsthetik10
SchönheitWahrnehmung10
EmotionÄsthetik8
EinbildungskraftSchönheit6
EinbildungskraftForm5
EinbildungskraftWahrnehmung5
FormWahrnehmung5
Schönheitästhetisches Urteil5
Schönheitästhetischer Wert4
EmotionSchönheit3
EmotionWahrnehmung3
FormSchönheit3
Ästhetikästhetisches Urteil2
Einbildungskraftästhetischer Wert2
Einbildungskraftästhetisches Urteil2
EinbildungskraftEmotion2
EmotionForm2
Emotionästhetischer Wert1
Formästhetischer Wert1
Wahrnehmungästhetischer Wert1
Wahrnehmungästhetisches Urteil1

Vorhandene Werke

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  1. 1896 The Sense of Beauty: Being the Outlines of Aesthetic Theory du bist hier EN
  2. 1900 Interpretations of Poetry and Religion

    Essays, die den Ansatz von The Sense of Beauty von der Kunst auf die Religion übertragen und erstmals jene Deutung skizzieren – Religion als Wahrheit der Einbildungskraft –, die The Life of Reason dann ausführlich entfalten sollte.

    EN
  3. 1905 The Life of Reason: The Phases of Human Progress

    Hauptwerk der Harvard-Jahre und die vollständigste Darlegung seiner Moralphilosophie; die Lehre von Erkenntnis und Existenz, die ihm zugrunde liegt, liefern erst die zwei Jahrzehnte später erschienenen Realms of Being.

    EN
  4. 1910 Three Philosophical Poets: Lucretius, Dante, and Goethe

    Literaturkritik aus dem Hörsaal seiner letzten Harvard-Jahre: An drei Dichtern erprobt sie die These aus Interpretations of Poetry and Religion, Dichtung sei auf ihrem Höhepunkt anschaulich gewordene Philosophie.

    EN
  5. 1913 Winds of Doctrine: Studies in Contemporary Opinion

    Den amerikanischen Stoff des Schlussessays nimmt später Character and Opinion in the United States wieder auf; der Rest des Buches wägt die damals modischen Philosophien ab, von Bergson bis Russell.

    EN
  6. 1915 Egotism in German Philosophy

    Während des Ersten Weltkriegs in Oxford geschrieben, macht das Buch aus Santayanas langem Streit mit dem Idealismus eine Anklage gegen eine nationale Tradition; der Realismus dahinter findet seine volle Darlegung in Scepticism and Animal Faith.

    EN
  7. 1920 Character and Opinion in the United States

    Die amerikanische Fortsetzung von „The Genteel Tradition in American Philosophy“ aus Winds of Doctrine und das ausführlichste Zeugnis, das Santayana vor seinen Memoiren über seine Harvarder Lehrer hinterließ.

    EN
  8. 1922 Soliloquies in England and Later Soliloquies

    Kurzprosa der englischen Jahre, erschienen zwischen dem Kriegsbuch Egotism in German Philosophy und dem System, das im Jahr darauf mit Scepticism and Animal Faith beginnt.

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  9. 1923 Scepticism and Animal Faith: Introduction to a System of Philosophy

    Vom Untertitel als Eingang zum Spätsystem angekündigt, legt es die beiden Begriffe fest, auf denen die vier Bände der Realms of Being dann aufbauen: Essenz und animalischer Glaube.

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  10. 1923 The Unknowable

    Im Erscheinungsjahr von Scepticism and Animal Faith gehalten, trägt diese kurze Vorlesung die Erkenntnistheorie des Buches in eine Auseinandersetzung mit Herbert Spencer.

    EN
  11. 1925 Dialogues in Limbo

    Philosophie in Dialogform, erschienen zwischen der Einführung in Santayanas Spätsystem und dessen erstem Band.

    EN
  12. 1927 Platonism and the Spiritual Life

    Sieben Monate vor dem ersten Band des Systems erschienen: eine frühe Skizze des geistigen Lebens, das The Realm of Spirit 1940 ausführlich behandeln sollte.

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  13. 1927 The Realm of Essence

    Hier beginnt das eigentliche Spätsystem: der erste der vier Bände von Realms of Being, der das in Scepticism and Animal Faith eingeführte Vokabular ausführlich behandelt.

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