Um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts war das Universum der Mathematik überantwortet. Descartes hatte gezeigt, dass sich Materie vollständig durch Ausdehnung und Bewegung beschreiben lässt, ohne Zwecke darin, ohne Geister dahinter. Um dann die Seele zu retten und Gott dazu, stellte er die denkende Substanz außerhalb dieser Maschine und Gott außerhalb von beidem. Die Naht blieb sichtbar. Ein Philosoph in Amsterdam zog daran, und das Gefüge fiel auseinander: Es gibt kein Außen. Gott und Natur sind eines, und alles, was geschieht, folgt daraus so notwendig, wie die Eigenschaften eines Dreiecks aus dem Dreieck folgen.
Diesen Satz zu verteidigen war die Arbeit eines Lebens, und sie kostete ihn die Gemeinde, in die er hineingeboren war. Im Juli 1656, bevor er ein Wort veröffentlicht hatte, sprach die portugiesische Synagoge von Amsterdam von der Lade herab den Bann über ihn aus: Ausschluss, Flüche bei Tag und bei Nacht, die Anweisung, dass niemand mit ihm spreche oder irgendetwas lese, das er schrieb. Das Dokument spricht von abscheulichen Häresien und ungeheuerlichen Taten und benennt keine einzige. Die Gemeinde hatte Grund zur Angst. Sie bestand aus Flüchtlingen vor der Inquisition, von den Niederländern geduldet unter der stillschweigenden Bedingung, dass sie unter sich für Ordnung sorgten; einen Dreiundzwanzigjährigen, der öffentlich fragte, ob die Tora einen göttlichen Verfasser habe, konnte sie sich nicht leisten. Er ersuchte nie um Wiederaufnahme und trat nie zu irgendetwas über. Er nahm die lateinische Form seines Namens an, Benedictus, und schliff Linsen für seinen Lebensunterhalt.
Was er danach errichtete, ist ein moralisches Argument im Gewand der Geometrie. Die Ethik schreitet in Definitionen, Axiomen und nummerierten Lehrsätzen voran, jeder mit seinem Beweis, weil man, wie er meinte, herleitet, wie zu leben sei, statt es sich sagen zu lassen. Die Herleitungen sind schonungslos. Es gibt eine Substanz, und Geist und Körper sind nicht zwei Dinge, sondern ein Ding, auf zwei Weisen beschrieben. Der freie Wille ist eine Täuschung: Wir kennen unsere Begierden, nicht deren Ursachen. Nichts ist für uns gemacht. Was bleibt, ist das Verstehen — zu begreifen, warum die Dinge so sein müssen, wie sie sind. Das lockert ihren Griff. Glückseligkeit ist bei ihm nicht der Lohn für die Tugend. Sie ist die Tugend.
Zu Lebzeiten veröffentlichte er davon fast nichts. Der Theologisch-politische Traktat erschien 1670 ohne seinen Namen, unter falschem Drucker und falschem Druckort; 1674 verbot ihn der Hof von Holland neben Hobbes' Leviathan. 1673 bot ihm der Kurfürst von der Pfalz einen Lehrstuhl in Heidelberg an, mit ausdrücklicher Zusicherung der Freiheit zu lehren; er lehnte ab, als ihm die Klausel auffiel, die etablierte Religion nicht zu stören. 1675 trug er die fertige Ethik nach Amsterdam, um sie in Druck zu geben, erfuhr, dass Theologen den Magistraten bereits erzählten, das Buch beweise, es gebe keinen Gott, und trug sie wieder nach Hause.
Er starb im Februar 1677 in Den Haag, vierundvierzigjährig, an einer Lungenkrankheit. Seine Freunde druckten die Manuskripte noch im selben Jahr unter den Initialen B.d.S.; die Staaten von Holland verboten das Buch im Juni 1678, Rom setzte es 1679 auf den Index. Hundert Jahre lang war „Spinozist“ ein Vorwurf. Dann enthüllte Jacobi 1785, Lessing habe ihm bekannt, keine andere Philosophie zu kennen, die den Namen verdiene, und das deutsche Denken kippte über Nacht — Goethe, Herder, Hegel und schließlich Einstein, der sagte, dies sei der Gott, an den er glaube. Das Argument, das Spinoza wirklich vorgebracht hat, ist noch immer offen: Wenn alles notwendig folgt, was wird dann aus Lob, Tadel und Wahl? Niemand hat diese Frage geschlossen.