Zu Beginn des fünften Jahrhunderts waren die Erklärungen, aus denen ein Mönch auf Sri Lanka erfuhr, was die Lehrreden des Buddha bedeuteten, auf Singhalesisch geschrieben, in der Sprache der Insel. Die Lehrreden selbst lagen auf Pāli vor, der Schriftsprache des Theravāda, der Schule der Älteren. Die Kommentare waren über Jahrhunderte im Mahāvihāra gewachsen, dem großen Kloster von Anurādhapura, und einem Mönch, der kein Singhalesisch konnte, blieben sie verschlossen. Buddhaghosa, ein indischer Mönch, der in dieses Kloster kam, übertrug sie ins Pāli. In den Eingangsversen seines Kommentars zu den mittellangen Lehrreden sagt er, was er tat: Er streifte das Singhalesische ab, setzte den Gehalt in die Sprache der Schriften, ließ Wiederholungen fort und hielt sich an die Lehre der Älteren des Mahāvihāra. Keines der singhalesischen Originale ist erhalten; die Forschung kennt sie nur aus Zitaten in den Pāli-Kommentaren.
Das Kloster hatte Grund, seine Auslegung festschreiben zu wollen. Der Abhayagiri, ein zweites großes Kloster in derselben Stadt, hatte sich im ersten Jahrhundert v. Chr. abgespalten und war, so nimmt man an, offener für Lehren des Mahāyāna als der Mahāvihāra. Faxian, ein chinesischer Pilger, der sich zu Beginn des fünften Jahrhunderts auf der Insel aufhielt, zählte fünftausend Mönche im Abhayagiri und dreitausend im Mahāvihāra. Daneben war ein älteres Handbuch des Weges im Umlauf, der Vimuttimagga des Lehrers Upatissa, und der indische Gelehrte P. V. Bapat vertrat die These, Buddhaghosa habe manche Absätze seines eigenen Werkes mit Blick auf dieses Buch und den Abhayagiri geschrieben.
Von seinem Leben halten seine eigenen Bücher wenig fest. Ihre Schlussverse nennen die Älteren, die um das jeweilige Werk baten, und zwei fügen eine Erinnerung an Indien hinzu: Der Ältere, der um den Kommentar zu den nach Zahlen geordneten Lehrreden bat, hatte mit ihm in Kāñcī gelebt, dem heutigen Kanchipuram in Südindien; der, der um den Kommentar zu den mittellangen bat, hatte mit ihm an einem Ort namens Mayūradūtapaṭṭana gelebt. Die ausführlichere Geschichte gehört der Tradition. Der Cūḷavaṃsa, eine srilankische Chronik, die um das dreizehnte Jahrhundert fortgeschrieben wurde, erzählt, Buddhaghosa sei als Brahmane nahe Bodh Gaya geboren, wo der Buddha das Erwachen erlangte, habe die Veden gemeistert, ein Streitgespräch mit dem Mönch Revata verloren und sei in den Orden eingetreten. Revata schickte ihn auf die Insel. Dort, so die Chronik, prüften ihn die Älteren mit zwei Versen, bevor sie ihm ihre Kommentare öffneten, und er antwortete mit einem ganzen Buch; zweimal versteckten Gottheiten es, jedes Mal schrieb er es neu, und die drei Abschriften stimmten überein. Historiker datieren seine Ankunft in die Regierungszeit König Mahānāmas von Anurādhapura, in die ersten Jahrzehnte des Jahrhunderts. Forscher wie der deutsche Indologe Oskar von Hinüber nehmen an, dass er aus dem Süden Indiens kam und die Chronik seinen Geburtsort näher an die Stätten von Buddhas Leben rückte. Sein Name bedeutet „Stimme des Buddha“.
Das Buch, von dem diese Erzählung handelt, ist der Visuddhimagga, auf Deutsch erschienen als Visuddhi-Magga oder der Weg zur Reinheit. Er nimmt einen Vers, in dem der Buddha sagt, wie ein Mensch die Verstrickung im Innen und im Außen löst, und baut daraus den ganzen Weg in drei Teilen: sīla, sittliches Verhalten; samādhi, Sammlung, geübt an vierzig Meditationsgegenständen; und paññā, Weisheit. Der Weg steigt durch sieben Stufen der Reinigung auf; die letzten fünf liegen in den Kapiteln über die Weisheit. Seine These: Was ein Mensch für ein Selbst hält, ist eine Abfolge körperlicher und geistiger Ereignisse, deren jedes aus Bedingungen entsteht und vergeht, und eben dies klar zu sehen, Stufe um Stufe, befreit den Geist.
Seine Kommentare erzählen den Anlass jeder Lehrrede, erläutern ihre Wörter eines nach dem anderen und verweisen den Leser auf dieses Buch zurück, sobald es um Meditation geht. Maria Heim, Religionswissenschaftlerin am Amherst College, vertritt die These, er habe die Worte des Buddha als unermesslich behandelt, sodass die Erklärung immer noch weiter gehen konnte. Die Tradition schreibt ihm Kommentare zum Abhidhamma zu, der Analyse von Geist und Materie in den Schriften, und zu Teilen der Kleinen Sammlung; die heutige Forschung erkennt den Visuddhimagga und die vier Kommentare zu den Hauptsammlungen als seine Werke an und streitet über den Rest.
Der Mahāvihāra setzte sich durch. König Parākramabāhu I., der von 1153 bis 1186 regierte, stellte die Mönche der Insel unter seine Führung, und Mönche aus Südostasien kamen nach Sri Lanka, um die Ordination des Mahāvihāra zu empfangen. Spätestens seit dem zwölften Jahrhundert, so die Forschung, gelten Buddhaghosas Auslegungen im Theravāda als das orthodoxe Verständnis seiner Schriften. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde der Visuddhimagga zu einer Hauptquelle der Bewegung der Einsichtsmeditation, und einige heutige Mönche, darunter Bhikkhu Sujato und Thanissaro Bhikkhu, wenden jedoch ein, seine Darstellung der Sammlung weiche von den Lehrreden ab, die er erklärt.