Warum sollte Gott sprechen?
Wenn die Vernunft jedem schon seine Pflicht sagt, wozu dann eine Offenbarung? Fichte antwortet mit der Frage, wer die Vernunft nicht hören kann.
Das Sittengesetz, argumentiert Fichte, lässt uns eine unserer Würdigkeit angemessene Glückseligkeit verlangen und führt so zu Gott als moralischem Gesetzgeber: Das ist die Religion, wie die Vernunft sie findet. Eine Offenbarung ist derselbe Gott, angekündigt durch ein Ereignis in der Sinnenwelt. Ehrenvoller für die Menschheit wäre es, räumt er ein, wenn die Naturreligion stets genügte; doch Menschen in bitterer Not hören kein Gesetz als das der Not, und für sie darf Gott den Pädagogen machen und das moralische Gefühl durch die Sinne selbst wecken.
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Ins Gespräch kommen
- Eine Offenbarung ist Ihnen zufolge die Ankündigung Gottes als moralischen Gesetzgebers durch eine Wirkung in der Sinnenwelt. Wozu bräuchte der Gott der Vernunft ein solches Zeichen?
- Menschen in bitterer Not, schreiben Sie, denken nur an das Gegenwärtige und hören kein Gesetz als das der Not. Wie könnte in ihnen je ein moralisches Gefühl erwachen?
- Wo die Sinnlichkeit das Sittengesetz übertönt, könnte Gott Ihnen zufolge durch die Sinnenwelt selbst sprechen. Warum erreicht das Menschen, wo die Vernunft es nicht kann?
- Ehrenvoller für die Menschheit wäre es, räumen Sie ein, wenn die Naturreligion immer genügte. Warum sollte Gott sich dennoch herablassen, den Pädagogen zu machen?
- Das Sittengesetz lässt uns Ihnen zufolge eine unserer Würdigkeit angemessene Glückseligkeit verlangen und führt so zu Gott. Schleicht damit nicht doch der Lohn in die Moral zurück?