Die Denkfreiheit zurückfordern
Darf ein Herrscher den Menschen rechtmäßig verbieten, zu sagen, was sie denken? Die Schrift von 1793 verneint es und sagt es den Fürsten ins Gesicht.
Ein Fürst, hält die Schrift den Herrschern vor, ist nicht der Gott der Untertanen: Von Gott erwartet man Glückseligkeit, vom Fürsten nur den Schutz der Rechte, Gerechtigkeit statt Güte. Manche Rechte sind unveräußerlich, selbst durch den Gesellschaftsvertrag, weil ohne sie niemand seine Pflicht tun könnte. Denken lassen die Fürsten, weil sie es nicht hindern können, nur das Mitteilen verbieten sie; doch einen Gedanken mitzuteilen ist wie sein Brot zu teilen oder andere an der eigenen Flamme ihr Licht anzünden zu lassen. Freies Denken ist der langsame, sichere Weg des Fortschritts, die gewaltsame Revolution ein Wagestück.
- Gedankenfreiheit
- Freiheit der Meinungsäußerung
- Zensur
- Rechtsansprüche
- Menschenrechte
- Politische Autorität
- Gesellschaftsvertrag
- Aufklärung
- Wahrheit
- Pflicht
- Autonomie
- Erziehung
- akademische Freiheit
- Freiheit
- Vernunft
- politische Philosophie
Ins Gespräch kommen
- Ein Fürst ist nicht unser Gott, heißt es in Ihrer Schrift von 1793: Er schuldet Gerechtigkeit, nicht Güte. Warum sollten wir keinen gütigen Fürsten wollen?
- Gedanken mitzuteilen ist Ihnen zufolge wie sein Brot zu teilen oder andere an der eigenen Flamme ihr Licht anzünden zu lassen. Wer dürfte diese Gabe verbieten?
- Rechte, ohne die niemand seine Pflicht tun kann, sind Ihnen zufolge unveräußerlich, selbst durch Vertrag. Könnte ein Volk sie nicht gegen Ruhe eintauschen?
- Jemand darf denken, was er will, soll es aber nie öffentlich sagen. Was ist ihm Ihnen zufolge tatsächlich genommen worden?