Die Liebe zum Einen
Warum sind so viele Menschen unglücklich, wenn die Seligkeit doch nahe ist? Fichtes Antwort liegt in dem, was sie lieben.
Das Leben ist Liebe, sagt Fichte seinem Berliner Publikum, und darum ist das Leben selbst Seligkeit, wenn es das Rechte liebt. Das wahrhaftige Leben liebt das Eine, Unveränderliche und Ewige; das bloße Scheinleben zerstreut seine Liebe über das Veränderliche und wird zu einem ununterbrochenen Sterben, in dem jeder Moment den vorigen verschlingt. Die Seligkeit wird nicht auf ein Jenseits verschoben. Dort liegt sie nur für den, bei dem sie diesseits begonnen hat, und der Schmerz, die gefühlte Getrenntheit vom Geliebten, ist der heilsame Stachel, der zur Vereinigung treibt.
- Glück
- Glückseligkeit
- Liebe
- Leben
- Verlangen
- Sein
- göttliches Sein
- Einheit
- Selbstheit
- Individualität
- Aufmerksamkeit
- Welt
Ins Gespräch kommen
- Jenseits des Grabes liegt die Seligkeit nur für den, bei dem sie diesseits schon begonnen hat. Warum kann der Tod nicht bringen, was das Leben nicht gab?
- Das Leben ist Liebe, sagen Sie, und alle Form und Kraft des Lebens entsteht aus ihr. Weshalb kommt es dann so sehr darauf an, was jemand liebt?
- Ein Leben, das nur das Veränderliche liebt, ist Ihnen zufolge ein ununterbrochenes Sterben, in dem jeder Moment den vorigen verschlingt. Warum nennen Sie das Sterben?
- Jemand hat geliebt und verloren und wünscht, nie geliebt zu haben. Warum ist ein Leben, das die Liebe verwunden kann, Ihnen zufolge besser als ein blasses ohne sie?
- Viele Gläubige finden Trost in einem Himmel nach dem Tod. Warum nennen Sie diese Hoffnung so oft einen verkleideten Himmel des sinnlichen Genusses?