WerkJohann Gottlieb Fichte

Der geschlossene Handelsstaat

Der Entwurf eines Staates, der allen Arbeit und Auskommen sichert, indem er seine Grenzen für den Handel schließt und das Gold abschafft.

von Johann Gottlieb Fichte220 Passagen vorhanden

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Erstveröffentlichung
(mit 38 Jahren)
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Deutsch

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Überblick

Die Widmung gilt einem amtierenden Minister, Carl August von Struensee, der Preußens Finanzen leitete, und erinnert ihn daran, dass Staatsmänner den Philosophen seit jeher erlaubt haben, Staatsentwürfe zu veröffentlichen, um sie dann kaum zu beachten. Johann Gottlieb Fichte war eben in Berlin angekommen, nachdem er seinen Jenaer Lehrstuhl im Atheismusstreit verloren hatte, und brachte das Buch 1800 bei Cotta in Tübingen heraus, im Untertitel als philosophischer Entwurf und als Anhang zu seiner Rechtslehre ausgewiesen. Sein Argument beginnt beim Eigentum. Ein Staat schuldet jedem Bürger einen gesicherten Anteil an der Arbeit und den Gütern des Landes; also muss er planen, wer Land bebaut, wer herstellt und wer handelt, muss Preise festsetzen und das Ganze im Gleichgewicht halten. Offener Handel mit anderen Ländern macht das unmöglich, weil fremdes Kaufen und Verkaufen jeden Plan zunichtemachen kann; Fichte vergleicht ihn mit einem Krieg zwischen Käufern und Verkäufern. Deshalb soll der Staat sich schließen: Gold und Silber, das überall gültige Geld, aus dem Verkehr ziehen, ein Landesgeld ausgeben, das nur im Inland gilt, und den Außenhandel, soweit er überhaupt nötig ist, allein der Regierung überlassen. Kritiker sahen darin eher ein Gefängnis als ein Gemeinwesen. Der hannoversche Schriftsteller August Wilhelm Rehberg verglich es mit einem großen Zuchthaus, und der Publizist Friedrich Gentz nannte es eine Tyrannei, vollkommener, als ein verwöhnter Despot sie hätte ersinnen können. Samuel Taylor Coleridge schrieb in sein Exemplar, Fichtes Eitelkeit habe ihn irregeführt. Spätere Leser nahmen das Buch ernster: Der Sozialist Ferdinand Lassalle schöpfte daraus Argumente für eine staatliche Politik zugunsten der Arbeiter, der Ökonom Friedrich List für Schutzzölle.

Schlüsselbegriffe

Wozu ist der Staat in diesem Buch da?

Um jedem erst das Seinige zu geben und ihn dann erst dabei zu schützen. Fichte stellt das gegen die verbreitete Ansicht, der Staat bewache bloß den Besitz, den er vorfindet, ohne nach dem Rechtsgrund der Erwerbung zu fragen. Weil alle das gleiche Recht haben, von Arbeit und Gütern des Landes zu leben, muss der Staat zuerst die vorhandene Wirkungssphäre gerecht teilen, und im Vernunftstaat erhält jeder seinen Teil wirklich.

Was sind Weltgeld und Landesgeld?

Weltgeld ist Gold und Silber, das überall angenommen wird, weil man es überall schätzt. Landesgeld ist eine Währung, die der Staat ausgibt und die nur im Inland gilt; ihr Wert ruht auf der Zusicherung des Staates, nicht auf dem Metall. Das Weltgeld aus dem Umlauf zu ziehen und Landesgeld auszugeben, ist Fichtes wichtigster praktischer Schritt, um ein Land vom Weltmarkt zu lösen.

Welches Gleichgewicht muss der Staat halten?

Das Gleichgewicht zwischen den Ständen, die Güter gewinnen, verarbeiten und austauschen: Bauern, die die Rohprodukte gewinnen, Handwerker, die sie verarbeiten, und Kaufleute, die beides zusammenbringen. Der Staat legt fest, wie viele sich jedem Gewerbe widmen dürfen, damit von keinem Produkt zu viel oder zu wenig da ist, und bestimmt die Preise, damit jeder Stand ungefähr so gut lebt wie die anderen. Droht einem Fach ein Mangel an Arbeitern, greift er ein.

Was meint Fichte mit dem Vernunftstaat?

Der Vernunftstaat ist der Staat, wie das Recht ihn fordert, an dem die wirklichen Staaten gemessen werden. In ihm erhält jeder Bürger den Anteil an Tätigkeit und Gütern, der ihm von Rechts wegen zukommt, die Gewerbe bleiben im Gleichgewicht, und der Handel mit dem Ausland ist geschlossen oder liegt in der Hand der Regierung. Fichtes Buch soll zeigen, wie ein bestehender Staat sich ihm Schritt für Schritt nähern könnte.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Ein Auskommen für alle

Schützt der Staat nur, was die Leute zufällig besitzen, oder muss er erst dafür sorgen, dass jeder etwas hat? Fichte vertritt das Zweite und folgt ihm bis ans Ende.

Die meisten Rechtslehren, klagt Fichte, lassen den Staat bloß den Besitz bewachen, den er vorfindet. Seine Bestimmung sei vielmehr, jedem erst das Seinige zu geben und ihn dann dabei zu schützen. Eigentum ist ursprünglich ein ausschließendes Recht auf eine freie Tätigkeit, etwa Kleider oder Schuhe zu machen, und alle müssen ungefähr gleich angenehm leben können. Also legt der Staat die Anzahl der Bauern, Handwerker und Kaufleute fest, bestimmt die Preise und hält das Ganze im Gleichgewicht.

  • Eigentumsverhältnis
  • Eigentumsrechte
  • Arbeit
  • Wirtschaftliche Gerechtigkeit
  • Rechtsansprüche
  • Gesellschaftsvertrag
  • Arbeitsteilung
  • Wirtschaftsplanung
  • Landwirtschaft
  • Werttheorie
  • Wert
  • Reichtum
  • Armut
  • Staat
  • staatliche Macht
  • Staatsregulierung
  • Wirtschaftsregulierung
  • Austausch
  • politische Philosophie

Die Grenzen schließen

Kann eine geplante Wirtschaft neben einem offenen Weltmarkt bestehen? Fichte verneint es und zieht den Schluss, vor dem seine Kritiker zurückschreckten.

Offener Handel, argumentiert Fichte, ist ein endloser Krieg aller gegen alle, zwischen Käufern und Verkäufern, und er kann jeden Plan für einen gerechten Anteil zunichtemachen. Der Vernunftstaat muss sich darum schließen: erst seine natürlichen Grenzen gewinnen, dann Gold und Silber, das Weltgeld, einziehen und ein Landesgeld ausgeben, das nur im Inland gilt. Auswärtiger Handel, soweit er bleibt, gehört allein der Regierung. Ausnahmen räumt er ein, einen dauernden Tausch von Korn gegen Wein und Weltgeld für Reisen, und er gibt zu, dass manchem der chinesische Tee fehlen wird.

  • Geld
  • Geldpolitik
  • Währung
  • Internationaler Handel
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  • Freihandel
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  • Krieg

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220
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345
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 328

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Geld“ und „Internationaler Handel“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 19 Paarungen. 95 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
GeldInternationaler Handel7
ArbeitWirtschaftliche Gerechtigkeit5
ArbeitEigentumsrechte2
ArbeitEigentumsverhältnis2
ArbeitGeld2
Eigentumsrechtepolitische Philosophie2
EigentumsverhältnisGeld2
EigentumsverhältnisWirtschaftliche Gerechtigkeit2
Internationaler HandelWirtschaftsplanung2
Wirtschaftliche Gerechtigkeitpolitische Philosophie2
Arbeitpolitische Philosophie1
EigentumsrechteWirtschaftliche Gerechtigkeit1
EigentumsrechteWirtschaftsplanung1
EigentumsverhältnisInternationaler Handel1
Eigentumsverhältnispolitische Philosophie1
GeldWirtschaftsplanung1
Internationaler Handelpolitische Philosophie1
Internationaler HandelWirtschaftliche Gerechtigkeit1
Wirtschaftliche GerechtigkeitWirtschaftsplanung1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1792 Versuch einer Kritik aller Offenbarung

    Das Debüt, in wenigen Wochen in Königsberg geschrieben, um Kant zu beeindrucken: ein Buch über Religion, das Fichte berühmt machte, bevor er ein eigenes System hatte.

    DE
  2. 1794 Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten

    Populäre Ethik für Studenten, gehalten im Sommer 1794, als Fichte nach Jena kam – neben der weit schwierigeren Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre.

    DE
  3. 1794 Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre

    Fichtes bekannteste Abhandlung und die erste vollständige Darstellung seines Systems, 1794 als Vorlesungsbogen begonnen; der Grundriss des Eigenthümlichen der Wissenschaftslehre von 1795 führt ihren theoretischen Teil weiter, die Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre von 1797 beginnt die Erklärung neu.

    DE
  4. 1794 Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre oder der sogenannten Philosophie, als Einladungsschrift zu seinen Vorlesungen über diese Wissenschaft (Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre oder der sogenannten Philosophie – als Einladungsschrift zu seinen Vorlesungen über diese Wissenschaft)

    Ein Manifest vor dem System: das kurze Programm, mit dem Fichte sich in Jena vorstellte, Monate bevor die ersten Bogen der Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre seine Studenten erreichten.

    DE
  5. 1795 Grundriss des Eigenthümlichen der Wissenschaftslehre

    Eher Begleitschrift als eigenes Buch: die Ergänzung von 1795, die den theoretischen Teil der Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre bis zu Empfindung, Raum und Zeit fortführt.

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  6. 1797 Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre

    Für Anfänger geschrieben: der Journalaufsatz von 1797, in dem Fichte, verärgert darüber, wie man die Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre gelesen hatte, sein System noch einmal von den ersten Grundsätzen an zu erklären begann.

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  7. 1799 Streitschriften zur Denk- und Gewissensfreiheit

    Hier aus zwei getrennten Veröffentlichungen von 1793 und 1799 zusammengeführt, die Fichtes Aufstieg zum Ruhm und seinen Sturz in Jena einrahmen.

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  8. 1800 Der geschlossene Handelsstaat du bist hier DE
  9. 1800 Die Bestimmung des Menschen

    Unmittelbar nach dem Atheismusstreit geschrieben, in seinen ersten Berliner Monaten: das System, für allgemeine Leser neu erzählt als Weg eines Ich vom Zweifel zum Glauben.

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  10. 1806 Die Anweisung zum seligen Leben, oder auch die Religionslehre (Die Anweisung zum seligen Leben)

    Nach Fichtes eigenem Urteil der Gipfel der populären Vorlesungen, die er vor dem Krieg in Berlin hielt: die Religion als Ergebnis der Wissenschaftslehre, seiner Lehre vom Wissen, vorgetragen für Hörer ohne philosophische Vorbildung.

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  11. 1806 Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters

    Einer von drei populären Vorlesungszyklen, die Fichte 1806 veröffentlichte: die Geschichtsphilosophie, als deren Fortsetzung sich die Reden an die deutsche Nation später ausgeben sollten.

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  12. 1808 Reden an die deutsche Nation

    Sein einflussreichstes Buch: wieder öffentliche Vorlesungen, diesmal aber keine Geschichtsphilosophie und keine Religionslehre, sondern ein Aufruf an eine besiegte Nation.

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  13. 1810 Kürzere Darstellungen der Wissenschaftslehre

    Ein Jenaer Anfang und eine Berliner Summe, getrennt erschienen und hier auf einer Seite versammelt – vor und nach den vielen Fassungen des Systems, die Fichte dem Hörsaal vorbehielt.

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  14. 1845 Darstellung der Wissenschaftslehre. Aus dem Jahre 1801 (Darstellung der Wissenschaftslehre aus dem Jahre 1801)

    Eine frühe Berliner Neufassung des Systems, 1801 geschrieben, als Fichte und Schelling sich voneinander entfernten, und im Nachlass liegen geblieben.

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