Wagner als Künstler der Décadence
Der einstige Jünger begleicht eine alte Rechnung: Wagners Musik ist nicht bloß schlecht, sondern ein Symptom, als Größe inszenierte Erschöpfung, Theater und Rauschmittel, das die Nerven überwältigt. Das deutsche Entzücken über ihn diagnostiziert, was an der Zeit schiefgegangen ist.
Indem er Bizets Carmen gegen Wagner als helles Gegenbeispiel der Leichtigkeit und Gesundheit setzt, macht Nietzsche seinen einstigen Abgott zum Prüffall seines ganzen späten Themas: des Unterschieds zwischen dem, was das Leben stärkt, und dem, was seinem Niedergang bloß schmeichelt. Der Vorwurf lautet, Wagners Kunst überwältige, statt zu gestalten, eine Décadence, die eine gesunde Kultur überwunden hätte, und die Begeisterung einer Nation für sie sei selbst ein zu lesendes Symptom. Was die Streitschrift von 1888 über den Klatsch hebt, ist, dass er seine schärfste, komischste Prosa gegen eine Begeisterung richtet, die er einst tiefer gefühlt hatte als irgendjemand.
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Ins Gespräch kommen
- Einen Menschen zu sehen, den große, überwältigende Kunst mitreißt — ist das Gesundheit oder ein Symptom des Niedergangs?
- Ist Musik, die die Nerven überwältigt, nicht ein Zeichen ihrer Macht statt der Décadence, die du Wagner vorwirfst?
- Was hat es dich gekostet, deine schärfste Prosa gegen den Komponisten zu wenden, den du einst am meisten verehrt hattest?
- Was hörst du in Bizets Carmen, das dir sagt, sie stärke das Leben, wo Wagners Musik dem Niedergang schmeichelt?
- Lässt sich das Entzücken eines ganzen Volkes über einen Künstler als Diagnose dessen lesen, was an ihm schiefgegangen ist?