Der Sklavenaufstand in der Moral
Die Werte gut und böse waren nicht immer die unseren. Ein Kriegeradel nannte sich als der Starke und Vornehme gut; die Schwachen, unfähig zur Vergeltung in der Tat, nahmen ihre Rache in der Einbildung und kehrten die Skala um — das Ereignis, das Nietzsche den Sklavenaufstand in der Moral nennt.
Die erste Abhandlung erzählt die entscheidende Geschichte. Nietzsche trennt das vornehme Gut-und-Schlecht, aus Stärke gesprochen, vom späteren Gut-und-Böse, das das Ressentiment prägte — der ohnmächtige Hass jener, die sich nur rächen können, indem sie ihre Unterdrücker zu Bösewichten umwerten. Sanftmut wird Tugend, Macht wird Sünde, und die Umkehrung gelingt so vollständig, dass ihr Ursprung vergessen ist. Als Antwort auf Paul Rées Deutung der Moral als vergessener Nützlichkeit weigert sich die Streitschrift, den Leser seine eigenen Werte für die natürlichen halten zu lassen, und verhärtet den zuerst in der Morgenröte angedeuteten Verdacht zu einer Geschichte.
- Moralität
- Groll
- Werte
- Soziale Hierarchie
- Menschennatur
- Gerechtigkeit
- Religion
Ins Gespräch kommen
- Was würdest du jemandem sagen, der das Ressentiment im Stillen sein ganzes Leben hat prägen lassen?
- Wo ist der Beweis, dass die Werte je vornehm waren, ehe die Schwachen sie umkehrten, statt von Anfang an moralisch?
- Wie fühlt es sich an, zu argwöhnen, die eigene Güte könnte nichts als Ressentiment sein, das sich als Tugend verkleidet?
- Was trennt das vornehme Maß von Gut und Schlecht vom Gut und Böse, das aus dem Ressentiment geboren ist?
- Sollte jemand seine ererbten Werte für schlicht natürlich halten, sobald ihr Ursprung in der Rache aufgedeckt ist?