Die falschen Hüter der Antike
Taugen klassische Gelehrte dazu, die Welt zu hüten, die sie erforschen? Diese Notizen werfen der Philologie vor, sie werde meist von trockenen Pedanten betrieben, die die wilden Griechen auf Grammatik verkürzen und die Jungen zu einer Ehrfurcht vor einer Antike drillen, die keiner von ihnen wirklich fühlt.
Um 1875 für eine aufgegebene Unzeitgemäße Betrachtung gesammelt und später aus seinen Papieren gedruckt, wenden die Fragmente einen amtierenden Basler Professor gegen den eigenen Berufsstand. Nietzsches Klage ist temperamentbedingt: Die Männer, die das klassische Altertum verwalten, sind gerade jene, die seine Größe am wenigsten fühlen können, und ihre Gelehrsamkeit begräbt die fremde griechische Welt unter Fußnoten, während sie die Studenten in einer geborgten Frömmigkeit schult. Der Aufstand des Eingeweihten kennzeichnet die Abwendung, die über diese Jahre sichtbar wird, weg von der Universität und ihren Methoden, hin zum freien Schreiben des kommenden Jahrzehnts. Den Basler Lehrstuhl gab er 1879 auf.
- Philologie
- Gelehrsamkeit
- Erziehung
- Pädagogik
- Kultur
- Geschichtsschreibung
- Methodologie
- Klassische Antike
- Kulturkritik
Ins Gespräch kommen
- Wie soll jemand einer Disziplin weiterdienen, sobald er argwöhnt, ihre Hüter könnten die Größe nicht fühlen, die sie lehren?
- Ist nicht gerade die geduldige Grammatik- und Fußnotenarbeit, die du verachtest, das, was die alte Welt vor dem Verlust bewahrt?
- Was geht in einem Studenten verloren, den man zur Ehrfurcht vor einer Antike drillt, die weder er noch seine Lehrer fühlen?
- Wie unterscheidet sich das wirkliche Fühlen der wilden griechischen Welt vom bloßen Verwalten als Grammatik und Jahreszahlen?
- Könnte ein Mensch einen Lehrstuhl in einem Fach behalten, dessen Methoden er verächtlich zu finden begonnen hat?