Der Hang zum Bösen
Wenn ein Mensch weder unschuldig noch bloß schwach, sondern zum Bösen geneigt geboren wird, und das aus Freiheit, wie kann dieselbe Freiheit ihn je gut machen?
Das Böse ist keine ererbte Schuld und keine bloße Schwäche, sondern ein Hang, aus Freiheit angenommen und radikal, weil er den Grund all unserer Entscheidungen verdirbt, sodass selbst unsere guten Taten von Selbstliebe durchsetzt sind. Doch weil die Verderbnis frei angenommen wird, lässt sie sich in Freiheit auch umkehren: Erlösung ist die sittliche Arbeit, ein neuer Mensch zu werden, kein von außen herabkommendes Geschenk. Kant stellt das ganze Drama in die eigene Kausalität des Willens und weist beides zurück — die ererbte Erbsünde des Theologen wie das leichte Zutrauen des Optimisten in die menschliche Natur.
- Freiheit
- Wille
- Kausalität
- Sittengesetz
- Autonomie
- Moralität
- moralische Verantwortung
Ins Gespräch kommen
- Du sagst, wir nehmen frei einen Hang zum Bösen an, der jede Wahl verdirbt — wenn er wahrhaft radikal ist, wie klettert derselbe Wille wieder heraus?
- Ich ertappe die Selbstliebe noch in meinen guten Taten — lässt mir dein Buch einen wirklichen Weg, besser zu werden?
- Wenn du ererbte Sünde und leichtes Zutrauen in die menschliche Natur beide zurückweist, welche Ausreden für das eigene Unrecht muss ein Mensch aufgeben?
- Was hebt dein radikales Böses von der ererbten Erbsünde des Theologen ab?