Die kopernikanische Wende
Statt zu fragen, wie sich unsere Erkenntnis nach den Gegenständen richtet — was, wenn wir fragen, wie die Gegenstände beschaffen sein müssen, um für einen Verstand wie den unseren erkennbar zu sein? Die Umkehrung, auf die Kant alles setzte.
Die Erkenntnis formt sich nicht nach den Dingen; die Dinge müssen sich, um überhaupt erkannt zu werden, den Formen fügen, die ein Verstand an sie heranträgt. Kant nannte die Umkehrung eine Revolution nach dem Vorbild des Kopernikus, und sie entscheidet die zentrale Frage des Buches — ob Metaphysik möglich ist —, indem sie Notwendigkeit und Allgemeinheit aus der Welt in den Erkennenden verlegt. Synthetische Urteile a priori, wahr und doch erweiternd, werden zu dem, was zu erklären ist, und die Erklärung lautet: Wir liefern ihre Form. Jedes spätere Argument des Buches ist eine Folge dieses einen Schritts.
- Metaphysik
- Erkenntnistheorie
- Kognition
- Subjektivität
- Vernunft
- Methodologie
- a priori
- Synthese
- Wissen
Ins Gespräch kommen
- Du lässt die Gegenstände sich nach dem Verstand richten statt den Verstand nach den Gegenständen — sperrt uns das nicht in unseren eigenen Kopf ein?
- Mich beunruhigt, dass die Welt, die ich kenne, halb das Werk meines eigenen Verstandes ist — soll das einen Menschen trösten oder erschrecken?
- Wie unterscheidet sich deine kopernikanische Umkehrung davon, schlicht zu erklären, wir könnten die Wirklichkeit überhaupt nie erkennen?
- Um Notwendigkeit und allgemeines Gesetz für die Erkenntnis zu gewinnen — was muss ein Denker der Welt der Dinge an sich zurückgeben?