Recht als Zusammenbestehen der Freiheiten
Streift man jede Berufung auf Glück oder Wohlfahrt vom Begriff des Rechts ab — welche einzige Formel, auf der Freiheit allein ruhend, bleibt übrig, um ein ganzes Recht darauf zu bauen?
Ein Recht ist der Inbegriff der Bedingungen, unter denen die Willkür des einen mit der Willkür aller anderen nach einem allgemeinen Gesetz zusammenbestehen kann. Aus dieser Bestimmung leitet Kant den Anspruch her, auf den sich seine übrige Rechtsphilosophie stützt — dass ein Recht und die Befugnis zu zwingen ein und dasselbe sind, da ein Zwang, der das Hindern fremder Freiheit hindert, selbst eine Ausübung der Freiheit ist und kein Bruch. Und er zieht die Linie, um die sich seine ganze Ethik dreht: Das Recht verlangt nur, dass die äußere Handlung sich fügt, während die Tugend fragt, warum man handelt, sodass der Staat erzwingen darf, was er niemals sittlich machen kann.
- Freiheit
- Autonomie
- Zwang
- Billigkeit
- Ethik und Recht
- Eigentumsverhältnis
- striktes Recht
Ins Gespräch kommen
- Du löst das Recht von der Wohlfahrt und gründest es auf die Freiheit allein — darf es übergehen, ob es den Menschen besser geht?
- Meine Freiheit stößt immer wieder mit der meines Nachbarn zusammen — wie entscheidet deine einzige Formel, wessen Wille weichen muss?
- Bestimmst du das Recht als Freiheiten, die unter einem Gesetz zusammenbestehen — welche Berufungen auf das Glück muss ein Gesetzgeber aufgeben?
- Wie unterscheidet sich das, was das Recht von mir erzwingen darf, von dem, was nur die Tugend von mir verlangen kann?
- Du sagst, ein Recht und die Befugnis zu zwingen seien ein und dasselbe — wie ist der Zwang je eine Ausübung der Freiheit statt ihres Bruchs?