Sich im Dunkeln zurechtfinden
Wenn das Denken über alles hinausgreift, was die Erfahrung ihm zeigen kann — Gott, die Seele, das Übersinnliche —, was rettet es dann vor falschem Beweis oder blindem Sprung in den Glauben?
Über das nachzudenken, was jenseits aller Erfahrung liegt, ist wie das Zurechtfinden im Dunkeln: Der Weg ist nicht zu sehen, aber ein inneres Gefühl, welche Richtung die rechte ist — ein Bedürfnis der Vernunft, das weist, ohne zu beweisen —, lässt einen sich orientieren. In den Pantheismusstreit hineingeschrieben, der Mendelssohn überlebte, verweigert das Bild beide Seiten: weder Jacobis Preisgabe der Vernunft an einen Glaubenssprung noch die gefälschten Beweise des Dogmatikers, sondern die Vernunft, die sich selbst die Treue hält, wo das Wissen aufhört. Hier erhält Kants Gedanke eines rein vernünftigen Glaubens seine schärfste kurze Fassung.
- Vernunft
- Glauben
- Erkenntnistheorie
- Metaphysik
- Autonomie
- Freiheit
- Wahrheit
- Orientierung
- rationaler Glaube
Ins Gespräch kommen
- Meine Gedanken greifen über alles, was ich erfahren kann, hinaus zu Gott und zur Seele — was rettet mich vor falschem Beweis oder blindem Sprung?
- Du nennst ein inneres Gefühl ein Bedürfnis der Vernunft, das weist, ohne zu beweisen — wie ist das nicht bloß Glaube im Mantel der Vernunft?
- Orientiert man sich dort, wo das Wissen aufhört — welche Gewissheiten muss ein Mensch auf beiden Seiten aufgeben, der des Dogmatikers und Jacobis?
- Wie unterscheidet sich dein Vernunftglaube von Jacobis Preisgabe der Vernunft an einen Glaubenssprung?
- Verloren zwischen Beweisen, denen ich misstraue, und einem Glauben, den ich nicht prüfen kann — wohin heißt dein innerer Kompass einen Menschen sich wenden?