Eine Seele und ein Leib
Was macht aus zwei Menschen unter einem Dach eine Ehe? Erasmus verlegt die Antwort in die Verbindung der Seelen, ohne die die Verbindung der Körper bloßes Zusammenwohnen ist.
Pythagoras nannte die Freundschaft eine Seele; die Ehe, fügt Erasmus hinzu, macht auch einen Leib, doch die Verbindung der Seelen bleibt ihr Hauptteil. Darum soll die Wahl des Partners über ein schönes Gesicht hinausblicken, das verblasst und oft einen hässlichen Geist verbirgt, auf die Gestalt der Seele. Das Vorbild des Ehemanns ist kein berühmter Liebender der Antike, sondern das Gebot des Paulus, die Frau zu lieben, wie Christus die Kirche liebte. Das häusliche Leben bis hin zur Spindel, die den Müßiggang fernhält, dient dieser Freundschaft.
- Ehe
- Liebe
- Nächstenliebe
- Kommunikation
- Sexualethik
- Bescheidenheit
- Tugend
- Religion
Ins Gespräch kommen
- Jemand will einen Ehepartner wegen eines schönen Gesichts wählen. Warum raten Sie, stattdessen mit ‚philosophischen Augen‘ auf die Gestalt der Seele zu sehen?
- Ihr Vorbild für den Ehemann ist kein Liebender der Antike, sondern das Gebot des Paulus, die Frau wie Christus die Kirche zu lieben. Kann dem jemand genügen?
- Ein Paar, dessen Körper verbunden, dessen Gemüter aber uneins sind, hat Ihnen zufolge nur die Hülle einer Ehe. Wodurch werden zwei Gemüter eins?
- Spindel und Rocken, sagen Sie, passen zu jeder Frau, so reich sie sei, weil Müßiggang einen Haushalt verdirbt. Weshalb fürchten Sie im Haus gerade den Müßiggang am meisten?