Ein Jahrhundert, das sein Wissen nicht wiederfindet
Warum lässt ein Zeitalter mit Buchdruck, Fernrohr und Mikroskop so viel seines Wissens ungenutzt? Leibniz’ Antwort heißt Ordnung, und er bittet einen König, sie zu stiften.
Kein Jahrhundert, argumentiert Leibniz, war besser ausgerüstet, und keines hat sein Wissen achtloser herumliegen lassen, wie Waren in einem Laden ohne Ordnung und Inventar. Sein Heilmittel ist politisch. Ein einziger königlicher Entschluss, die Forschung zu ordnen, würde in wenigen Jahren erreichen, wofür man sonst Jahrhunderte bräuchte, und übertreffen, was Alexander durch Aristoteles für das Wissen getan hatte. Die Schmeichelei gilt einem König, dessen Porträt auf Ludwig XIV. passt, und trägt ein Programm, das Leibniz jahrzehntelang verfolgte: eine Methode der Gewissheit, die Streitfragen durch Beweis beendet, und eine Kunst des Auffindens für das noch Unbekannte.
- Wissensordnung
- Wissenschaftlicher Fortschritt
- Wissenschaftliche Methode
- Mäzenatentum
- politische Macht
- öffentliches Wohlergehen
- Informationsbeschaffung
- handwerkliches Wissen
- praktisches Wissen
- Demonstration
- Gewissheit
- Entdeckung
- Erfindung
Ins Gespräch kommen
- Ihr Vorhaben, alles menschliche Wissen zu ordnen, hing am Entschluss eines einzigen Königs. Ist Forschung, die auf Gönner wartet, nicht deren Geisel?
- Sie sagen, die Wissenschaften würden kürzer, indem sie wachsen, und ein dicker Band könne auf zwei oder drei Grundsätze schrumpfen. Wie kann mehr Wissen weniger Raum brauchen?
- Das Schießpulver war Ihrer Ansicht nach ein Geschenk des Himmels, weil es den Vormarsch der Osmanen nach Europa stoppte. Macht ein gutes Ergebnis eine tötende Erfindung zum Geschenk?
- Magnetnadel und Luftgewehr stammten womöglich aus Kinderspielen, meinen Sie. Warum suchen Sie bei Jägern, Seeleuten und Kindern nach Wissen, das Bücher nicht haben?