Der leichteste Weg des Lichts
Handelt die Natur nach Zwecken, und darf ein Physiker das sagen? Die mechanistischen Philosophen hatten die Zweckursachen verbannt; Leibniz argumentiert mit einem Lichtstrahl für sie.
Anagogisch, erklärt Leibniz, heißt alles, was zur höchsten Ursache hinaufführt, und er behauptet, dass auch die Physik dorthin führt. Die Bewegungsgesetze lassen sich nicht aus der Geometrie allein ableiten, und manchmal findet man ein Gesetz, indem man nach dem einfachsten oder bestimmtesten Ergebnis sucht. Die Optik ist sein Beleg: Das Licht nimmt von einem Punkt zum anderen den leichtesten Weg. Fermat hatte die Brechung durch den Weg der kürzesten Zeit erklärt und war kritisiert worden, weil er sich scheinbar auf einen Zweck berief; Leibniz fand das Prinzip gerade deshalb umso schöner. Zudem bezweifelt er, dass das Brechungsgesetz Descartes’ Entdeckung war, und schreibt es Willebrord Snell zu.
- Zweckursachen
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- kleinste Wirkung
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- Physikphilosophie
Ins Gespräch kommen
- Sie sehen in der Natur zwei einander durchdringende Reiche, das der Stöße und das der Weisheit. Warum darf sich ein Physiker nicht mit der mechanischen Erklärung begnügen?
- Fromme Theologen behaupteten, Licht, Schwere und Federkraft seien mechanisch nicht erklärbar. Warum schadeten sie Ihrer Ansicht nach der Religion, obwohl sie sie verteidigen wollten?
- Ist nur die Gesamtlänge der Seiten eines Dreiecks vorgegeben, so macht die Natur es gleichseitig. Warum zeigt das Weisheit und nicht bloße Geometrie?
- Jemand will nur nützliche Erfindungen und hält das Reden von Weisheit in der Natur für müßig. Warum folgen nützliche Entdeckungen Ihrer Ansicht nach meist aus einer tieferen Suche?
- Sie vermuten, Descartes habe vom Mathematiker Snell gelernt, wie sich Licht im Wasser bricht, und erst danach eine gezwungene mechanische Erklärung erfunden. Woran erkennt man eine bloße Nachbesserung?