Ein Witz entsteht wie ein Traum
Was macht einen Witz eigentlich zum Witz? Freud fragt nicht, warum Menschen lachen, sondern wie das Ding gebaut ist, und die Antwort führt zurück zu seinem Traumbuch.
Frühere Theoretiker beschrieben, wie es ist, einen Witz zu verstehen: erst Verblüffung, dann plötzliche Erleuchtung. Freud zerlegt die Witze stattdessen und prüft jeden, indem er seinen Gedanken schlicht nacherzählt und zusieht, wohin das Lachen verschwindet. Was er findet, ist die Mechanik des Traumes: zusammengepresste Wörter, verschobene Akzente, eine fehlerhafte Logik mit dem Anschein des Denkens, Unsinn, der doch Sinn trägt. Der Witz bildet sich, so Freud, einen Augenblick lang im Unbewussten, und seine Wurzeln liegen im kindlichen Spiel mit dem Klang der Wörter.
- Witz
- Wortspiel
- Sprache
- Kondensation
- Verschiebung
- Mehrdeutigkeit
- Träume
- Unbewusstes
- Kindheit
Ins Gespräch kommen
- Heines armer Lotteriekollektor sagt, der große Baron habe ihn ganz »famillionär« behandelt. Was sagt dieses eine gepresste Wort, das ein ganzer Satz nicht sagen könnte?
- Mit geborgtem Geld beim Lachs ertappt, klagt ein Mann: Ohne Geld kann er ihn nicht essen, mit Geld darf er nicht. Wo steckt hier der Witz?
- Ein Krakauer Rabbi »sieht« einen Kollegen in Lemberg sterben, der weiterlebt. Sein Schüler meint: »Der Blick von Krakau bis nach Lemberg war doch großartig.« Was ist daran witzig?
- Frühere Autoren sagten, ein Witz verblüffe uns erst und erleuchte uns dann. Warum genügt Ihnen diese Erklärung nicht?
- Kinder spielen mit dem Klang der Wörter, lange bevor sie Witze machen können. Was hat dieses frühe Spiel mit der Freude Erwachsener an einem Wortwitz zu tun?