Die Seele, die kein Nein kennt
Warum behandeln Träume Gegensätze, als wären sie dasselbe? »Über den Gegensinn der Urworte« sucht die Antwort in der Geschichte der Sprache.
Das Traumbuch hatte gezeigt, dass der Traum den Widerspruch schlicht übergeht und Gegensätze mit Vorliebe verschmilzt. In Karl Abels Schrift über das Altägyptische glaubte Freud dieselbe Gewohnheit in der ältesten Sprache zu erkennen: Wörter, die eine Sache und ihr Gegenteil bedeuteten, unterschieden durch ein danebengesetztes Bild und erst später in zwei Wörter gespalten. Das Lateinische bewahrt noch Spuren davon. Freud folgert, die Denkweise des Traumes sei archaisch, nicht bloß verworren, und die Traumdeutung verstünde sich besser durch die Sprachgeschichte.
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Ins Gespräch kommen
- Träume kennen kein »Nein« und verschmelzen Gegensätze. Warum schien Ihnen der Befund eines Philologen, dass altägyptische Wörter eine Sache und ihr Gegenteil bedeuteten, das zu erklären?
- Lateinisch »altus« heißt hoch und tief, »sacer« heilig und verflucht. Was verraten solche Wörter darüber, wie Menschen zu denken lernten?
- Wenn ein Wort einst stark und schwach zugleich hieß, wie verstanden sich die Sprecher überhaupt, und was bleibt dann von Ihrer Parallele zum Traum?
- Jemand träumt von einem Menschen und ist beim Erwachen sicher, der Traum meine eigentlich dessen Gegenteil. Wie kann ein Traum etwas durch sein Gegenteil sagen?