Von der Kultur enttäuscht
Warum erschütterte der Krieg gebildete Europäer so tief? Der erste Teil von »Zeitgemäßes über Krieg und Tod« zeigt, dass eine Illusion über uns selbst gestorben ist.
Freud beschreibt den Bürger, der geglaubt hatte, die großen Nationen teilten eine gemeinsame Kulturheimat, und nun zusah, wie ihre Staaten logen, betrogen und töteten. Der Staat, bemerkt er, hatte das Unrecht nur verboten, um es zu monopolisieren. Triebe sind weder gut noch böse; Erziehung und der Wunsch, geliebt zu werden, bilden sie um, doch viele benehmen sich nur unter äußerem Druck gut, als Kulturheuchler. Die Enttäuschung war streng genommen unberechtigt: Der Krieg hatte die Menschen nicht schlechter gemacht, er hatte nur gezeigt, wie wenig sie sich erhoben hatten.
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- soziale Normen
- moralische Entwicklung
- Sozialisation
Ins Gespräch kommen
- Der Staat, so Ihr Aufsatz über Krieg und Tod, verbietet das Unrecht nur, um es wie Salz und Tabak zu monopolisieren. Was enthüllte der Krieg?
- Die meisten von uns, sagen Sie, benehmen sich besser, als ihre Triebe es wollen, und sind darum Kulturheuchler. Braucht die Kultur etwas von dieser Heuchelei?
- Vor dem Krieg schienen die großen Nationen eine gemeinsame Kulturheimat zu teilen, deren Museen und Landschaften allen offenstanden. Was genau zerbrach, als diese Gemeinschaft zerfiel?
- Ein Krieg voller Grausamkeit scheint zu beweisen, dass Menschen einfach böse sind. Warum weigern Sie sich, die menschlichen Triebe gut oder böse zu nennen?