Verbieten, was wir wollen
Warum treffen die strengsten Regeln so vieler Völker gerade das, was am wenigsten ein Verbot zu brauchen scheint? Die ersten beiden Aufsätze lesen das Tabu als Verbot eines Wunsches, der nie verschwunden ist.
Freud beginnt bei australischen Clans, deren Mitglieder nicht innerhalb des Totems heiraten dürfen, und bei Meidungen wie dem Verbot, mit der Schwiegermutter zu sprechen. Er vergleicht das Tabu mit den privaten Verboten Zwangskranker: Hier wie dort nennt die Regel keinen Grund, breitet sich durch Ansteckung aus und wehrt einen Wunsch ab, der darunter fortbesteht. Die Tabus gegenüber Feinden, Herrschern und Toten zeigen alle Ambivalenz, Liebe und Feindseligkeit gegen dieselbe Person. Hier, meint er, liegt die älteste Form des Gewissens.
- Tabu
- Inzesttabu
- Exogamie
- Verwandtschaft
- Ehe
- Ambivalenz
- soziale Normen
- Neurose
- Furcht
- Verlangen
Ins Gespräch kommen
- Angehörige eines australischen Känguru-Clans dürfen einander nicht heiraten, obwohl kein Blut sie verbindet. Woher diese Inzestscheu bei Menschen, die uns so fern sind?
- Viele Völker verbieten einem Mann, auch nur mit seiner Schwiegermutter zu sprechen. Warum trifft die strengste Meidung Ihrer Ansicht nach gerade sie?
- Ein Tabu verbietet, so Ihr Argument, gerade das, was Menschen am meisten tun möchten, wie die privaten Verbote eines Kranken. Wozu ein Verbot, wenn niemand das Verbotene begehrte?
- Trauernde fürchten in vielen Kulturen ihre Toten als Dämonen, selbst einen geliebten Ehemann. Woher kommt diese Furcht, wenn die Liebe echt war?
- Warum sollten ein paar Zwangskranke die Sitten ganzer Völker erklären, statt eine seltsame Ausnahme von ihnen zu sein?