Billige Gewitztheit gegen echte Untersuchung
Gestellt neben Sokrates’ redliches Bemühen, einen Jüngling zur Philosophie zu wenden, entblößt die Wortakrobatik zweier Brüder die Kluft zwischen Streitgewinnen und Wahrheitssuche.
Euthydemos und Dionysodoros betreiben die Eristik — die Kunst, mit jedem Wortkniff zu siegen —, beweisen, dass niemand lügen könne, dass der Vater eines Menschen ein Hund sei, jeder Trugschluss als Weisheit vorgeführt. Zwischen den Vorführungen drängt Sokrates den vielversprechenden Kleinias zur echten Philosophie und zur Sorge um seine Seele, und Platon lässt den Leser den Abstand spüren. Die Nummern waren nicht müßig: Aristoteles ordnete später eben diese Trugschlüsse in seinen Sophistischen Widerlegungen, was dies zu einem der frühesten Kataloge der Kniffe macht, die er benennt.
- Logik
- Sophistik
- Erkenntnistheorie
- Dialektik
- Weisheit
- Sprache
- Rhetorik
- Widerspruch
- Fehlschlüsse
- Paradox
- Überredung
- Semantik
Ins Gespräch kommen
- Zwei Streiter fragen einen Jungen, ob man lernt, wenn man weise oder unwissend ist, und widerlegen jede Antwort. Wie baut man eine Frage, bei der jede Antwort verliert?
- Sie verbringen den Dialog damit, den jungen Kleinias zur Sorge um seine Seele zu wenden. Was umfasst diese Sorge eigentlich?
- Zwei Brüder, die das Streitgewinnen lehren, beweisen, dass niemand lügen kann und dass der Vater eines Menschen ein Hund ist. Wenn die Logik hält, warum es Trickserei nennen?
- Weise Steuerleute kommen in den Gefahren des Meeres am besten davon, sagt Ihr Sokrates, also sei Wissen Glück. Kann ein weiser Mensch dennoch Pech haben?
- Ihr Sokrates sagt, Wortverdrehungen glichen dem Wegziehen des Stuhls unter einem, der sich setzen will. Woran erkennt man solches Beinstellen von ehrlichem Streiten?