Die Ideenlehre auf dem Prüfstand
Wenn viele Dinge groß sind, indem sie an einer Idee der Größe teilhaben, was verbindet sie eigentlich mit ihr? Platon übergibt seine eigene Kernlehre ihrem schärfsten Kritiker und lässt sie auseinandernehmen.
Der greise Parmenides zeigt dem jungen Sokrates, wie wenig er die Ideen durchdacht hat — am verheerendsten der „dritte Mensch“, der endlose Regress von Ideen hinter Ideen, den die Teilhabe zu verlangen scheint. Sokrates kann nicht antworten. Die lange zweite Hälfte drillt dann acht Deduktionen über „das Eine“ — wenn es ist und wenn es nicht ist —, die in scheinbarem Widerspruch enden, über dessen Deutung sich niemand einig ist. Die Neuplatoniker nahmen sie als verborgene Theologie des Göttlichen; die Modernen als Logik oder redliche Ratlosigkeit. Es ist der Wendepunkt, an dem Platon seine Metaphysik mit ihren schwersten Problemen konfrontiert.
- Metaphysik
- Einheit
- Ontologie
- Teilhabe
- Formen
- Pluralität
- Widerspruch
- Zeit
- Sein
Ins Gespräch kommen
- Ein Denker sieht seinen liebsten Gedanken zerpflücken und kann ihn nicht verteidigen — was lehrt sie das Schweigen deines jungen Sokrates vor Parmenides?
- Wenn viele große Dinge an einer Idee der Größe teilhaben, sagt der dritte Mensch, stehe eine weitere Idee hinter ihnen — wie hältst du diesen Regress auf?
- Du übergibst deine eigene Ideenlehre ihrem heftigsten Kritiker — was gibt ein Philosoph auf, indem er eine Lehre so bloßlegt?
- Wenn viele Dinge durch eine Idee der Schönheit schön sind, worin unterscheidet sich ihre Teilhabe an ihr von bloßen Abbildern, die einem Urbild gleichen?
- Ein Mensch gewinnt lieber einen Streit, als eine Überzeugung zu verlieren — warum ließest du selbst Sokrates unterliegen, die Ideen verwundet zurücklassend?