Lust, Weisheit und das gute Leben
Was macht ein Leben gut — die Lust oder die Vernunft? Platons späte Antwort weist beide Extreme zurück: Das beste Leben ist eine abgemessene Mischung, in der die Weisheit über der Lust steht.
Gegen die Behauptung des Philebos, für jedes Lebewesen sei die Lust das Gute, spricht Sokrates für Wissen und Vernunft, lässt dann aber keine Seite siegen: Das beste Leben verbindet beide, doch ungleich, denn Maß und Verhältnis überragen die Lust, und zugelassen sind nur wahre, reine Freuden — nicht die heftigen, von Schmerz durchzogenen. Um sie zu ordnen, teilt er alles, was ist, in vier: das Unbegrenzte, die Grenze, ihre Mischung und die Ursache, die mischt. Es ist Platons letzte und sorgfältigste Ethik der Lust, spröde und technisch, später von Ficino geschätzt.
- Lust
- Weisheit
- Ethik
- Hedonismus
- Werttheorie
- Schmerz
- Wissen
- Rationalität
- Klassifikation
Ins Gespräch kommen
- Jemand richtet sein ganzes Leben auf die Jagd nach Lust aus — würdest du ihm sagen, er habe das Gute verfehlt, oder nur halb verfehlt?
- Philebos sagt, für jedes Lebewesen sei die Lust das Gute — wenn Geschöpfe sie von Natur aus suchen, warum stellst du die Weisheit über sie?
- Dein bestes Leben lässt nur wahre, reine Freuden zu, nicht die heftigen, von Schmerz durchzogenen — auf welche Genüsse muss ein Mensch dann verzichten?
- Was trennt eine wahre, reine Lust von der heftigen Art, die in Wahrheit nur Linderung ist, durchsetzt mit ihrem eigenen Schmerz?
- Ein Gelehrter preist ein Leben reinen Denkens und verachtet alle Lust — warum lässt du die Weisheit das gute Leben nicht allein gewinnen?