Das Wissen des Staatsmanns
Was macht jemanden wahrhaft zum Herrschen tauglich? Fachliches Wissen, antwortet Platon — ein Wissen so wirklich, dass es mit Recht selbst gegen das geschriebene Gesetz regieren dürfte.
Der eleatische Fremde jagt den Staatsmann durch Teilung und gibt unterwegs den Mythos eines Kosmos, der zeitweise seinen Umlauf umkehrt, und das Bild der Staatskunst als Weberei, die die tapferen und sanften Gemüter zu einem Tuch bindet. Echtes politisches Können ist fachliches Wissen; Gesetze sind nur grobe allgemeine Regeln, zweitbeste Notbehelfe für das Urteil eines wirklich Wissenden. Wo aber kein solcher Kenner besteht, wird strenger Gehorsam gegen das Gesetz am sichersten, und die Verfassungen werden entsprechend gereiht. Als Brücke zwischen Sophistes und Nomoi mildert er die Zuversicht der Politeia in eine Herrschaft über dem Gesetz.
- politische Philosophie
- Governance
- Staatsmannskunst
- Expertise
- Autorität
- Methodologie
- Klassifikation
- Führung
- Definition
- Recht
Ins Gespräch kommen
- Eine Richterin muss ein starres Gesetz anwenden, das offenkundig nicht auf den Fall vor ihr passt — befreit sie deine Ansicht, das Gesetz sei zweitbest?
- Du sagst, ein wahrer Kenner solle selbst gegen die geschriebenen Gesetze herrschen — was schützt eine Stadt vor einem falschen Kenner, der eben dieses Recht beansprucht?
- Wenn das geschriebene Gesetz eine grobe allgemeine Regel ist, zweitbest hinter dem wirklichen Urteil, was gibt eine Stadt auf, indem sie selbst ihre Weisesten daran bindet?
- Was hebt das Wissen des Staatsmanns vom Können jedes anderen Kenners ab, dass es allein über lebende Menschen herrschen soll?
- Eine Führerin muss ein Volk einen, das zwischen den Kühnen und den Vorsichtigen gespalten ist — sagt ihr dein Bild der Staatskunst als Weberei, wie?