Ein Gesetzbuch, kein Wirrwarr
Soll das Recht einer Nation als Ganzes in einem klaren geschriebenen Gesetzbuch versammelt sein, das ein Bürger lesen kann, oder als das verstreute, richtergemachte Flickwerk bleiben, das die Engländer erbten? Hinter der Werbung steht diese Frage.
Benthams bleibende Überzeugung war, dass ein vollständiges Rechtsganzes als Ganzes nach dem Nützlichkeitsprinzip aufgestellt werden könne und jedem Volk besser diente als ererbte Gewohnheit. Dieses Ganze nannte er das Pannomion. Ihm setzte er das englische System entgegen, das er verachtete: Recht, stückweise von Richtern im Nachhinein gemacht, verstreut durch Präzedenzfälle, nur dem Berufsstand kenntlich, der dafür bezahlt wurde, es auszulegen. Ein geschriebenes Gesetzbuch dagegen legt das Recht im Voraus in einer Sprache fest, die ein Bürger ohne Anwalt lesen kann. Der Proposal führt diesen Fall als die ernste Theorie unter dem Angebot: dass Kodifikation kein Aufräumen ist, sondern eine andere und bessere Art, Recht überhaupt zu machen.
- Gesetzgebung
- Rechtstheorie
- Reform des Rechts
- Rechtsauslegung
- Rechtskodifikation
Ins Gespräch kommen
- Wenn ein Mensch das Gesetz, das ihn bindet, nicht lesen kann, ohne einen Anwalt zu bezahlen, ist das ein Fehler oder die natürliche Ordnung?
- Muss ein im Voraus festgelegtes Gesetzbuch nicht starr und schal werden, wo richtergemachtes Recht sich wenigstens dem Fall vor ihm beugt?
- Wie unterscheidet sich ein geschriebenes Gesetzbuch von einem bloßen Aufräumen desselben alten Rechts unter neuen Überschriften?
- Was verliert eine Nation, und was gewinnt sie, wenn sie das Machen des Rechts aus den Händen ihrer Richter nimmt?
- Lässt sich ein Gesetzbuch wirklich als lückenloses Ganzes aufstellen, oder ist der Wirrwarr, den du angreifst, die ehrliche Gestalt des Rechts?