Was ein Eid hinzufügt und was er kostet
Ein Eid fügt der Ehrlichkeit eines Menschen nichts hinzu, was die gewöhnlichen Strafen für die Lüge nicht schon liefern; was er hinzufügt, ist eine stehende Versuchung zum Meineid. An seinen Wirkungen gemessen, versagt der Zwangseid doppelt.
Bentham stellt den Eid auf die utilitaristische Probe und findet ihn unnötig und schlimmer. Was einen Menschen ehrlich hält, leisten schon die Strafen, die das Recht an die Lüge knüpft; der Eid liefert darüber hinaus keinen Beweggrund. Was er liefert, ist Schaden: Eine Einrichtung, die feierliche Zustimmung zu Artikeln verlangt, die niemand ganz glaubt, lehrt die Jungen, ein geschworenes Versprechen sei eine Form, durch die man hindurchmuss, keine Worte, die man meint. So hebt der Eid die Ehrlichkeit nicht, er fertigt eine Gewohnheit hohlen Schwörens. Das Argument ist von einem Stück mit seiner ganzen Methode, eine Einrichtung nicht an ihrer Würde zu messen, sondern an dem, was sie tatsächlich hervorbringt.
- Nutzen
- Recht
- Gesetzgebung
- Eide
- Meineid
Ins Gespräch kommen
- Wenn ein Mensch, der einen Eid ernst nimmt, ihn schwört, ist er stärker gebunden, als das Recht ihn ohnehin macht?
- Tut ein Eid nicht etwas, das eine bloße Strafe nicht kann — einen Menschen vor sein eigenes Gewissen rufen statt vor ein Gericht?
- Wie unterscheidest du einen Eid, der wirklich bindet, von einem, der bloß eine Form aufsagt, die niemand meint?
- Was verliert eine Gesellschaft, wenn sie das feierliche Wort als eine Formalität behandelt, durch die man hindurchmuss?
- Wenn Eide keine Ehrlichkeit hinzufügen und zum Meineid einladen, warum hat fast jede Einrichtung sie weiter verlangt?