Das Pannomion, ein ganzes Recht
Die Gesetze einer Nation sollten ein einziges vollständiges, lückenloses und eigens gebautes Ganzes bilden, nicht das Flickwerk aus Gewohnheit, Präzedenz und Einzelgesetz, das Bentham um sich fand; dies sind die Fundamente jenes nie gebauten Entwurfs.
Das Pannomion, vom Griechischen für alle Gesetze, war die große ungebaute Kathedrale von Benthams Laufbahn, über Jahrzehnte geplant, nie vollendet. Dem ererbten Durcheinander aus Gewohnheit und Präzedenz setzte er das Ideal eines gänzlich aufgestellten Gesetzbuchs entgegen, dessen ziviler, Straf-, Verfassungs- und Verfahrensteil als ein Entwurf zusammenpassen statt als getrennte Gewerbe. Diese Fragmente arbeiten an dem Grund, den ein solches Ganzes bräuchte. Was bleibt, ist das theoretische Gerippe, nach seinem Tod gedruckt, und hier sieht ein Leser am klarsten den Ehrgeiz hinter allem, was er sonst schrieb: nicht das Recht hier und da zu verbessern, sondern das Ganze zu ersetzen.
- Recht
- Nutzen
- Konstitutionalismus
- Gesetzgebung
- Sicherheit
Ins Gespräch kommen
- Für jemanden, der dem langsamen Anwachsen der Gewohnheit traut: Warum sollte eine ganze Rechtsordnung je auf einmal, nach Entwurf, gebaut werden?
- Ist der Traum von einem lückenlosen, vollständigen Gesetzbuch nicht gerade die Anmaßung, die ein lebendiges Recht durch sein Wachsen vermeidet?
- Wie unterscheidet sich ein als ein Entwurf gebautes Gesetzbuch von einer wohlgeordneten Sammlung derselben getrennten Gesetze?
- Was muss ein Volk an Beweglichkeit und Gewohnheit aufgeben, um ein ererbtes Flickwerk gegen ein ganz gebautes Recht zu tauschen?
- Du plantest das Pannomion jahrzehntelang und vollendetest es nie; spricht dieses Scheitern gegen die Idee selbst?