Bedeutung wohnt im Satz
Wörter bedeuten nichts, eines nach dem anderen. Der vollständige Satz ist das Kleinste, das tatsächlich etwas sagt, und das isolierte Wort ein daraus herausgelöstes Stück — eine Umkehrung dessen, wie wir Sprache gebaut glauben.
Die natürliche Annahme ist, wir bauten Sätze aus unabhängig bedeutsamen Wörtern auf. Bentham kehrt sie um. Der Satz, nicht das Wort, ist die kleinste Einheit, die wirklich etwas behauptet; das einzelne Wort ist eine Abstraktion, aus dem Ganzen gerissen, in dem die Bedeutung tatsächlich wohnt. Um 1813 bis 1816 neben seinen Fragmenten zu Logik und Ontologie geschrieben, wurde der Essay lange gar nicht als Sprachphilosophie gelesen. Heute gilt er als auffallend frühe Formulierung eines Grundsatzes, zu dem moderne Logik und Linguistik unabhängig gelangen sollten: dass Bedeutung zuerst eine Eigenschaft von Aussagen ist und nur abgeleitet eine der Wörter.
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Ins Gespräch kommen
- Für jemanden, der annahm, ein Wort trage seine Bedeutung allein: Was ändert sich, sobald der Satz zur eigentlichen Einheit wird?
- Ist es nicht offenkundig falsch, dass Wörter allein nichts bedeuten, wenn ein einziger Name ein ganzes Ding vor Augen ruft?
- Wie unterscheidest du die Bedeutung, die ein Wort wirklich hat, von der, die es nur dem Satz um sich herum entleiht?
- Welche Denkgewohnheit muss ein Mensch brechen, um einzelne Wörter nicht länger als die Bausteine der Sprache zu behandeln?
- Wenn der Satz zuerst kommt, wie lernen wir je die Wörter, die ihn bilden, eines nach dem anderen, wie Kinder es offenkundig tun?