Ein Gott ohne Eigennamen
Wie soll ein Mensch das Wesen nennen, das alles geschaffen hat? Philon von Alexandria antwortet, dass kein Name passt und die Titel der Schrift ein Zugeständnis an menschliche Bedürftigkeit sind.
Ein Name grenzt ein Ding von anderen ab, und neben Gott steht nichts, also hat Gott überhaupt keinen Eigennamen. Als Mose fragt, was er dem Volk sagen soll, lautet die Antwort „Ich bin, der ich bin“, und Philon versteht sie so: Es ist Gottes Natur zu sein, nicht benannt zu werden. Als Jakob nach dem Ringkampf den Namen seines Gegners wissen will, wird er abgewiesen. „Herr“ und „Gott“ benennen die königliche und die schöpferische Kraft; darum kann Philon lesen, dass „der Herr dem Abraham erschien“, ohne zu behaupten, jemand habe die Ursache aller Dinge gesehen.
- Sprache
- Rede
- Schriftauslegung
- Allegorie
- Göttliche Verursachung
- Demut
- Frömmigkeit
Ins Gespräch kommen
- Nach seinem Namen gefragt, antwortet Gott: 'Ich bin, der ich bin.' Warum hören Sie darin, dass es seine Natur ist, zu sein und nicht benannt zu werden?
- Wer jeden Gottestitel der Schrift ein bloßes Zugeständnis nennt, lässt der die Gläubigen nicht vor einer Leerstelle beten?
- Nach dem Ringen fragt Jakob den unsichtbaren Herrn nach seinem Namen und wird abgewiesen. Was soll ein Suchender aus einer unbeantworteten Frage mitnehmen?
- Worin unterscheidet sich die Weigerung, Gott einen Eigennamen zu geben, von der Behauptung, man könne gar nichts über ihn wissen?