Alles verlassen, um in der Betrachtung zu leben
Was wäre nötig, um ein ganzes Leben dem Verstehen Gottes und der Welt zu widmen? Die Therapeuten sind die Antwort Philons von Alexandria, gezeichnet als Gemeinschaft von Männern und Frauen, die genau das taten.
Die Therapeuten, Diener oder Heiler der Seele, gaben ihren Besitz an Verwandte oder Freunde, ließen Familien und Städte hinter sich und siedelten auf einer flachen Anhöhe jenseits des Mareotis-Sees vor Alexandria. Jeder lebte für sich in einem kleinen Haus mit einem Raum für das einsame Gebet, den Philon monasterion nennt, und verbrachte sechs Tage allein mit der allegorischen Lektüre der Schriften. Jede Stadt, auch die bestregierte, ist voller Aufruhr, sagt Philon; sie zu verlassen ist darum kein Wechsel des Herrn, sondern ein Griff nach der Freiheit. Am Ende nennt er sie Bürger des Himmels und der Welt, geliebt vom Vater des Alls um ihrer Tugend willen.
- kontemplatives Leben
- Kontemplation
- Einsamkeit
- Gebet
- Allegorie
- Schrift
- Reichtum
- Göttliche Liebe
Ins Gespräch kommen
- Die Betrachtenden, die Sie beschreiben, heißen Heiler der Seele und üben eine bessere Medizin als die der Städte. Was heilt diese Medizin?
- Jemand sehnt sich danach, sich aus einem geschäftigen Leben in Studium und Gebet zurückzuziehen. Was sollte er sich fragen, bevor er geht?
- Sechs Tage der Woche lebt jeder allein in einem kleinen Haus und liest die Schrift als Allegorie, am siebten kommen alle zusammen. Warum wechseln Einsamkeit und Versammlung?
- Besitz verschenken und die Familie verlassen, um zu betrachten: Heißt das nicht, die Menschen im Stich zu lassen, die einen brauchten?
- Wie unterscheidet sich eine Einsamkeit, die der Betrachtung dient, von der bloßen Flucht vor anderen Menschen?