Geschmack, Vorurteil und Nutzen
Können ästhetische Urteile aus gemeinsamen menschlichen Reaktionen hervorgehen, oder müssen Vernunft und Nutzen sie bestimmen? Burkes Antwort entscheidet darüber, ob der Geschmack in abstrakten Regeln gründet oder in den leiblichen Gewohnheiten, durch die Menschen Lust und Furcht erfahren.
Burkes 1757 erschienene Philosophische Untersuchung verwirft den Versuch, das Schöne allein aus Proportion, Nutzen oder Vernunftregeln zu erklären. Er trennt das Erhabene vom Schönen: Schrecken und Staunen weiten jenes, während Vergnügen, Zartheit und gesellige Zuneigung dieses tragen. Gegen Theorien, die den Geschmack für eine Form des Urteils oder für erlernte Konvention halten, gründet er ihn in gemeinsamen leiblichen Leidenschaften und in Gewohnheiten der Assoziation. So entsteht eine Naturgeschichte der ästhetischen Wirkung – eine, in der kulturelles Vorurteil und kritische Bildung in Spannung bleiben.
- Nutzen
- Tugend
- Ästhetik
- Erhabene
Ins Gespräch kommen
- Wenn jemand etwas Erschreckendes schön nennt, was offenbart dieses Urteil über Lust und Schmerz?
- Schönheit kann gefallen, ohne irgendeinem Zweck zu dienen: Warum sollte der Nutzen über den Geschmack bestimmen dürfen?
- Wenn man anerkennt, dass Geschmack teilweise auf Assoziation beruht, auf welche Gewissheit muss man beim Urteil über Schönheit verzichten?
- Kann ein Urteil wirklich persönlich bleiben, wenn Sympathie, Nachahmung und Gewohnheit den Geist prägen, noch bevor die Reflexion einsetzt?
- Angenommen, die Nützlichkeit erklärt die Proportionen eines Körpers: Warum geht die Schönheit dennoch über das hinaus, was sich aus der Funktion erklären lässt?