Ein Vertrag zwischen zwei Bühnen
Was soll die eine Nationalbühne preisgeben, um zu gewinnen, was die andere kann? Die Bedingungen sind ein Tausch: Die englischen Dramatiker verzichten darauf, die Einheiten zu brechen und vor den Augen des Publikums zu töten; die französischen geben die Deklamation zugunsten der Handlung auf und lockern ihre Regeln.
Keinem der beiden Theater wird gesagt, es solle sich bekehren. Die klassischen Regeln, die die Franzosen halten und die Engländer brechen, sind hier Gewohnheiten mit ihrem Preis und keine Naturgesetze: Eine zu streng genommene Einheit macht ein Stück steif, und eine Leiche vor den Augen des Publikums erkauft den Schock mit der Illusion. Der Tausch geht in beide Richtungen; jede Bühne übernimmt, was die andere kann, und gibt preis, was sie überstrapaziert hat. Der Verfasser der Enquiry wendet hier eine Theorie der Leidenschaften auf ein Handwerk an, das vor einem vollen Saal ausgeübt werden muss.
- Dramaturgie
- Dramatische Einheit
- Dramatische Angemessenheit
- Nachahmung
- Naturalismus
- Drama
- Theater
- Tragödie
- Geschmack
Ins Gespräch kommen
- Ihr Vertrag lässt jede Bühne ihre Fehler tauschen. Warum aber sollte ein Dramatiker eine Gewohnheit aufgeben, an der das Publikum sichtlich Gefallen findet?
- Jemand, der unter strengen Regeln ausgebildet wurde, hält sie inzwischen für bloße Gewohnheiten. Woran erkennt er, welche Disziplin noch trägt und welche nur ererbt ist?
- Was verliert die englische Bühne mit ihren Leichen und ihren gebrochenen Einheiten, und wiegt die gewonnene Illusion schwerer als der Schock?
- Kein Theater wird hier zur Bekehrung aufgefordert. Ist ein Kompromiss zwischen zwei nationalen Gewohnheiten nicht bloß ein Weg, keine von beiden zu kränken?
- Die Franzosen sollen die Einheiten wahren, ohne dass das Stück steif wird. Wann ist eine Regel nur gelockert und wann bereits aufgegeben?