Vertretung als öffentliches Vertrauensverhältnis
Was schuldet ein gewählter Abgeordneter den Menschen, die ihn gewählt haben: Gehorsam gegenüber ihren unmittelbaren Wünschen oder die Ausübung seines Urteils im Sinne ihrer langfristigen Interessen? Die Antwort entscheidet darüber, ob eine Verfassung durch Beratung regieren kann, statt die Macht dem Druck von Fraktionen zu überlassen.
In den Bristoler Reden von 1774 weist Burke die Vorstellung zurück, ein Abgeordneter sei das Sprachrohr örtlicher Weisungen. Die Wahl überträgt ihm Verantwortung, nicht bloß Vollmacht: Er hat widerstreitende Interessen zu wägen, politische Sachkenntnis einzusetzen und die Einrichtungen zu bewahren, die Freiheit möglich machen. Gegen die Parteiungen und gegen die Forderung nach einem rein örtlichen Auftrag verbindet er die Vertretung mit Staatskunst, Eigentum, Überlieferung und politischem Vertrauen. Das Regieren hängt so an einem Urteil, das die Wähler nicht sogleich teilen müssen.
- Konstitutionalismus
- politische Repräsentation
- Wahlen
- Politische Konsistenz
- Politische Urteilskraft
- repräsentative Regierung
- Stimmrechte
- Bürgertugend
- Handel
- Gewissen
- Wahlethik
- Bürgerpflicht
- Bürgerfreundschaft
- Gemeinwohl
- Rechenschaftspflicht der Konstituierenden
Ins Gespräch kommen
- Ein Abgeordneter solle stets das Interesse seiner Wähler über sein eigenes stellen, ihrer Meinung aber nie gehorchen. Wer entscheidet, was ihr Interesse ist?
- Sie fragten, was für ein Vernunftgebrauch das sei, wenn ‚eine Gruppe berät und eine andere entscheidet‘. Warum ist eine aus dreihundert Meilen Entfernung diktierte Stimme keine Beratung?
- Das Urteil eines Abgeordneten ist ‚ein anvertrautes Gut der Vorsehung‘, nicht der Wähler oder des Gesetzes. Wem ist er dann verantwortlich, wenn nicht denen, die ihn wählten?
- Bristols Abgeordneter vertritt auch eine Nation und ein Reich von Osten bis Westen. Wenn das Interesse einer Stadt mit dem des Reiches zusammenstößt, welches weicht?
- Bristol versprachen Sie nur ‚bescheidene und beharrliche Bemühungen‘ und sagten, die Wähler wünschten keinen Schmeichler. Warum ist ein Kandidat, der wenig verspricht, der bessere Vertreter?